CHINCHILLA VERHALTEN und SOZIALVERHALTEN

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ZAHMHEIT DER CHINCHILLA

 
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GRUNDLEGENDES

THEORIE UND PRAXIS - 15 STUFEN PLUS ...

WEITERE INFO:

DEFINITION VON ZÄHMUNG - ZAHMHEIT

 
 

 



 ZÄHMUNG
= der Abbau oder völliges Aufheben natürlicher Flucht- und Abwehrtendenzen von Chinchillas durch den Menschen


WICHTIGE ELEMENTE AUF DEM WEG ZUR ZAHMHEIT
  • wiederholt räumliche Nähe (notfalls durch Gefangennahme und Einsperren in Käfig)
  • Verzicht auf jegliche Beunruhigung und Gefährdung des Chinchilla
  • das Sichanbieten des Halters als Sozialpartner des Chinchillas ( Futterbringer, Schutz-, Putz-, Spielpartner)

LERNVORGÄNGE

  • Habituation
  • Extinktion
  • Konditionierung
  • soziale Prägung oder Umprägung
 ZAHMHEIT

Erfolgreiche Zähmung führt zu einem bestimmten Grad an Zahmheit.

  • das Chinchilla duldet die Nähe es Menschen
  • das Chinchilla nimmt im Beisein des Halters Nahrung auf = Futterzahmheit
  • das Chinchilla läßt sich berühren und streicheln = Handzahmheit

Nicht zu verwechseln mit:
 PSEUDOZAHMHEIT
Das betrifft Tiere in der freien Wildbahn, denen die Fluchttendenz fehlt und die ein Annährung von unbekannten Menschen in der Wildnis ebenso wie eine Berührung zulassen. Pseudozahmheit ist übernommen oder angeboren und nicht wie die echte Zahmheit erlernt


MEIN HALTER - MEIN BESTER FREUND. DER WEG ZUM VERTRAUEN

© Claudia A Mooser

 

MEIN HALTER - MEIN BESTER FREUND: DER WEG ZUM VERTRAUEN

von Claudia A Mooser
wie schon an anderer Stelle erwähnt auch hier wieder, das gleiche Prinzip. Zum Erfolg (Zähmung, Vertrauen, Sozialisierung) braucht man die richtige Kenntnis der Voraussetzungen / Ausgangspunkte, dh richtige Prämissen.

Ausgangspunkt (Prämissen):

 Grundlegende Faktoren  

 

  • Chinchilla = Fluchttier
  • Chinchilla = Herdentier
  • Chinchilla = dämmerungs- und nachtaktiv
  • Chinchilla = Exoten (aus den Hochebenen der Anden)  
  • Chinchillas sind nur halb-domestiziert

 

Chinchillas sind nur halb-domestizierte Wildtiere, Fluchttiere und Exoten. Das Leben mit dem Menschen ist daher für sie nichts Selbstverständliches, sondern will gewöhnt und mit Vertrauen erworben werden. Das erfordert viel Geduld und kleine Schritte. Die gute Nachricht: Chinchillas sind super neugierige Wesen! Dh die Zeit arbeitet bei entsprechender Geduld für den Halter. Früher oder später siegt ihre Neugier immer über ihre Angst. Das ist der Moment, wenn die Geduld des Chinliebhabers belohnt wird! Man gewinnt so einen treuen pfiffigen Flauschfreund fürs Leben!

Die PHASEN der Annäherung :
CHINCHILLA ZAHMHEIT : 15 Stufen plus ...

Hier findet der Chinliebhaber eine Schritt für Schritt Anleitung. Inklusive TIPPS FÜR DEN HALTER nach jeder Stufe, die den Übergang zur nächsten Stufe leichter machen.

Es lassen sich bei der Chinchilla (und auch bei anderen Tierarten) generell folgende Stufen der Annäherung zum Menschen / Halter festlegen!

  1. Phase: Passive Nähe
  2. Phase: Annäherung von Chin ermutigen
  3. Phase: Körperkontakt verstärken


Wichtig bei allem ist GEDULD. Das Chinchilla bestimmt die Geschwindigkeit, nicht der Mensch. Daher sollte man erst den nächsten Schritt angehen, wenn davor ein Vertrauenslevel mit dem individuellen Chin etabliert ist. So wird das Chinchilla freiwillig ohne Drang und Zwang die nächsten Schritte mitgehen und zunehmend als Spiel und Miteinander erleben.


ZAHMHEIT DER CHINCHILLA : 15 STUFEN PLUS

© Claudia A Mooser

 

DER WEG ZUR CHINCHILLA ZAHMHEIT : 15 STUFEN PLUS ...

von Claudia A Mooser

Jeder Chinliebhaber wünscht sich Zahmheit und Vertrauen bei seinem Tier. Und gerade das ist so verführerisch schwer. Denn Chinchillas sind Fluchttiere par excellence. Und ihre Domestikationsgeschichte beruht auf anonymer Massentierhaltung in Pelzfarmen. Chinchilla können - je nach früherer Behandlung und Genetik - unterschiedlich zahm sein, wenn sie zu uns kommen. Völlig zahm sind sie nicht und Kuscheltiere werden sie nur in extremen Ausnahmefällen. Das soll aber niemanden abschrecken, denn Chinchillas bieten soviel subtile Zwischenstufen an Annäherung, daß es eine wahre Freude für jeden Tierliebhaber ist, diese Schritt für Schritt zu erforschen und zu erweitern. Hier wurden Kategorien mit detaillierten Unterstufen zur Zahmheit bei Chinchillas auf den Grundlagen der Verhaltensbiologie vor internationalem Hintergrund entwickelt.

  1. Gitterzahmheit
  2. Futterzahmheit
  3. Handzahmheit = Kontaktzahmheit
  4. Fortgeschrittene (bis völlige) Zahmheit

Die einzelnen Schritte können in der Abfolge variieren. Manche Chins starten bereits auf Stufe 2 oder 3. Andere  werden nie völlig zahm, und andere erst nach Jahren.

I. IM BEREICH DER FLUCHTDISTANZ

Chinchilla flieht sobald es einen Menschen wahrnimmt.
Chinchilla flieht bevor der Mensch sich ihm nähern kann.
Chinchilla flieht bevor der Mensch sich in Reichweite annähern kann.

Mein Tipp für den Halter:

So verhalten Sich sich richtig bei neuen, scheuen, ängstlichen Chins.
->   Zeit und Ruhe geben. Zuerst kein Annäherungsversuch, sondern nur passive Nähe.
->   Langsame Bewegungen, ruhige Stimme, Annährung nur unterhalb des Augenlevels
->   Tagsüber in Ruhe lassen. Kontakte abends intensivieren.


II. IM BEREICH DER INDIVIDUALDISTANZ

  1. GITTERZAHMHEIT
  2. FUTTERZAHMHEIT
  3. HANDZAHMHEIT (= KONTAKT-ZAHMHEIT)
  4. FORTGESCHRITTENE (bis VÖLLIGE) ZAHMHEIT

Quellen und Literatur:
Neben den eigenen Erfahrungen dank meiner rund 30 Chinchillas, gilt mein besonderer Dank den Vorgaben, wie sie von Silverfall (USA)  in besonderer Ausführlichkeit erstmals speziell für Chinchillas entwickelt wurden. Darüber hinaus erwies sich die Einteilung in 3-4 grundlegende Zahmheitsstufen wie sie im Ansatz bereits vor vielen Jahren von M. Röder-Thiede für Chinchillas vorgestellt wurde als sehr hilfreich. Diese Vorlagen wurden anhand dem aktuellen Wissensstand durch Fachwerke in der Verhaltensforschung vor einen internationalen Kontext auf die Chinchilla Haltung angewandt, erweitert und aktualisiert. Literaturliste auf Anfrage.

Copyright © Claudia A Mooser / CAM

GITTERZAHMHEIT BEIM CHINCHILLA

 
Von der Gitterzahmheit ...

 
→ zur Handzahmheit


→ und mehr ....

GITTERZAHMHEIT Stufe I

Die einzelnen Schritte:

  1. Das Chin versteckt sich und will nicht heraus kommen. Es will einen nicht mal ansehen.
  2. Es versteckt sich, aber beobachtet den Halter. 
  3. Es beginnt nach vorne zum Halter zu kommen, aber rennt dann weg und versteckt sich wieder. 
  4. Es kommt ans Käfiggitter, dort wo der Halter ist und verharrt.

Meine Tipps für den Halter:

  • Nehmen Sie sich ein gutes Buch und lehnen sich mit dem Körper an den Chinkäfig.
  • Greifen sie nicht nach dem Chin. Bleiben sie passiv. 
  • Lassen sie dem Chin Zeit sich mit ihrem Geruch und ihrer Anwesenheit vertraut zu machen
  • LASSEN SIE DAS CHIN ZU SICH KOMMEN - nicht umgekehrt. Die Neugier siegt immer beim Chin. ;-)
 

FUTTERZAHMHEIT

FUTTERZAHMHEIT Stufe II

Die einzelnen Schritte

5. Es akzeptiert ein Leckerlie aus den Fingern des Halters, rennt weg, versteckt sich und frißt es.
6. Es nimmt ein Leckerlie von den Fingern und bleibt und frißt es.
7. Es untersucht die Finger des Halters nach Leckerlies und nibbelt evtl. daran

Weitere Beobachtungen

Chinchilla akzeptiert Futter von Finger, Handfläche und Lippen des Halters
Chinchilla akzeptiert an Stellen im Sichtfeld berührt zu werden ohne wegzulaufen

Mein Tipp für den Halter: 

  • Öffnen Sie die Käfigtür, aber setzen sich mit ihrem Körper unmittelbar davor
  • Bei grosser Käfigtür arrangieren Sie einen kleinen Gitterzaun um sich vor die Tür
  • Das Ziel: Will das Chinchilla raus, dann kommt es an einem direkten Körperkontakt mit ihnen nicht vorbei
  • LASSEN SIE DAS CHIN KOMMEN. Die Neugier siegt immer beim Chin. ;-)

HANDZAHMHEIT


 


HANDZAHMHEIT (= KONTAKT-ZAHMHEIT) Stufe III

Die einzelnen Schritte
8. Es spielt mit den Fingern des Halters und möchte den Arm erkunden.
9. Es läßt es zu, daß man es unter dem Kinn krault, am Kopf oder hinter den Ohren.
10. Es möchte auf den Arm, Schulter, Kopf des Halters klettern.
11. Es läßt es zu, daß man seinen Rücken berührt, aber rennt u.U. weg, wenn man dies tut.
12. Es erlaubt es, daß man seinen Rücken berührt, ohne daß es wegläuft
13. Es läßt es zu, daß man seinen Schwanz berührt
14. Es läßt es zu, daß man seine Hand unter sein Bäuchlein schiebt

15. Es läßt es zu, daß man es teilweise oder ganz hochhebt ohne Stress.

Weitere Beobachtungen

Chinchilla untersucht das Gesicht des Halters (Abtasten, Riechen)
Chinchilla beschnüffelt die Augen des Halters
Chinchilla nibbelt an Wimpern des Halters
Chinchilla zupft sanft an den Augenlidern des Halters
Chinchilla leckt und spielt mit Haaren des Halters
Chinchilla Näschenreiben zur Begrüßung
Chinchilla betreibt "Fell- und Körperpflege" beim Halter an Händen, Füßen, Augenbrauen...

Chinchilla entwickelt Rituale mit dem Halter

Mein Tipp für den Halter:

  • Beginnen sie folgendermaßen mit Auslauf:
    Setzen Sie sich zu Beginn des Auslaufs direkt vor die Käfigtür, so daß das Chinchilla - um rauszukommen - direkt über ihren Körper gehen muß.
  • Vermeiden Sie ihr Chin nach dem Auslauf zu Jagen oder grob anzufassen, um es in den Käfig zurück zu setzen. Besser abwarten bis es von selbst in den Käfig zurück kehrt. Und dieses Verhalten mit einem Leckerlie belohnen, wiederholen und konditionieren > Training
  • Es ist oft einfacher dem neuen Chinchilla keinen Auslauf zu geben, sondern es zuerst an seinen Halter als Bezugsperson zu gewöhnen (-> Stufe 3 abschliessen OHNE Auslauf Option ausserhalb eines Gitterraums direkt vor der Tür). 

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FORTGESCHRITTENE ZAHMHEIT BEIM CHINCHILLA

FORTGESCHRITTENE (bis VÖLLIGE) ZAHMHEIT Stufe IV
  • Chinchilla läßt sich an allen Körperstellen berühren
  • Chinchilla schläft am Körper des Halters ruhig ein
  • Chinchilla senkt automatisch entspannt die Ohren, wenn es die Hand an seinem Kopf heran nahen spürt
  • Chinchilla nimmt Halter als primärer Bezugspunkt in neuer Umgebung
  • Chinchilla untersucht neues Gelände, kehrt immer wieder zum Halter zurück und erweitert von dort aus seine Kreise
  • Chinchilla respektiert Alfa-Position des Halters
  • Chinchilla unterbricht auf Zeichen des Halters Streit und instinktives Verhalten
  • Chinchilla läßt den Halter Babies ohne Widerstand vom ersten Tag nehmen (ohne Unruhe) und beaufsichtigen
  • Chinchilla kommuniziert individuell mit dem Halter
  • Chinchilla hat Rituale mit dem Halter auf dessen Einhaltung es besteht.
  • Chinchilla Näschenreiben als Rückmeldung während Freilauf
  • Chinchilla bindet Halter in sein Spielen und Forschen ein
  • Chinchilla läßt sich zum Spiel trainieren
  • Chinchilla behandelt Halter wie einen Artgenossen 

VARIANTEN VON FORTGESCHRITTENER ZAHMHEIT

Individuelle Varianten von FORTGESCHRITTENER Zahmheit (Stufe 4) bei meinen Chinchillas:

  1. Anouk, die unter meine Bettdecke schlüpft, um zwischen meinen Beinen zu schlafen
  2. Anouk, die mich mit Popcorn-Hüpfern auf meinem Rücken aufwecken will (= Großes Chinny Wiederbelebungsmaßnahme ?), um mich zum Spielen zu (re)animieren 
  3. Tosca, die am liebsten unter meinem Pferdeschwanz am Hals entlang in meinen Ausschnitt sich unter meinem Sweatshirt in meinen Schoß rutschen ließ. Und das zig-mal in Folge 
  4. Aaron, der festgestellt hat, daß ich das Spiel: Aaron pirscht sich von hinten an mein Buch ran und beißt in die Seiten, nicht lustig finde und nicht mit ihm spielen will. Nun hat er eine andere Variante entwickelt. Wenn ich lese hüpft er oben auf die Buchkante (Voraussetzung Hardcover), balanciert oben und guckt von dort aus runter auf die Buchseite, die ich gerade lese. So kann ich leider nur 2 Seiten am Stück lesen. Aber wir üben gerade, daß er seine Pfötchen hebt, so daß ich in Zukunft auch umblättern kann.  Bei einem Pfötchen klappt dies bereits.

Weiterführende Beispiele von hochgradiger Sozialisation und Zahmheit finden Sie geschildert auf -> www.chinchilla-blog.de

ZUSAMMENFASSUNG

Die Grundregeln

  1. Ein 3-4 Monate altes Chinchillas, das beim Züchter im Babyalter täglich in Kontakt mit Menschen kam, ist idR viel einfacher zu zähmen. 
  2. Leckerlies werden oft verteufelt. Aber sie sind - richtig eingesetzt - eine konstruktive Hilfe bei der Zähmung. Leckerlies sollten allerdings nie im Übermaß gegeben werden. Daher z.B.eine Rosine in viele kleine Teile aufteilen. Nicht die Größe des Leckerlies zählt, sondern die Gabe an sich.
  3. Kleine Schritte sind langfristig grosse Schritte. D.h. Geduld und Abwarten bis sich das Chin auf dem jeweiligen Level wohl und sicher fühlt (nicht bedrängen). Erst dann zum nächsten Schritt übergehen.
  4. Häufiger Kontakt und tägliche Routine verstärken die Sozialisierung und Zähmung

Hilfreiche Voraussetzungen

  • frühe und tägliche Gewöhnung an den Menschen
  • ZEIT und GEDULD
  • Wertschätzung und Respekt

Chinchillas sind intelligent und stolz Chins sind intelligente, stolze, scheue (= Fluchttier) Tiere, die dem Halter körperlich unterlegen sind (anders als z.B. ein Pferd). Respektvoller Umgang, der den individuellen Distanzkreis des Chins respektiert, bis dieses ihn selbst verringert, ist daher eine grundlegende Voraussetzung. Und umso wichtiger ist eine grundsätzlich und betont respektvolle, anständige Behandlung der Tiere - und dies von Anfang an.

Chinchillas kann man gut sozialisieren, wenn man früh anfängt. Für mich war beim Kauf aus "Hobbyzuchten" (in USA) fundamental, daß Zahmheit bereits früh durch den Züchter geprägt wurde. In USA bedeutete dies TÄGLICH menschlichen Umgang mit Chinbabies (in die Hand nehmen, spielen usw.) DAS ist für mich ein klarer qualitativer Unterschied für eine Hobbyzucht (-> Zahmheit) beim Kauf versus Pelztierzuchten (-> Genpol).

Chinchillas bestimmen die Geschwindigkeit Es ist hart diesen wunderbaren Geschöpfen zu widerstehen und zu Warten bis sie selbst die Nähe suchen. Es führt jedoch kein Weg daran vorbei - Geduld. Das Vertrauen von Chinchillas muss man sich verdienen, dafür ist es dann von Dauer. 

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