CHINCHILLA VERHALTEN und SOZIALVERHALTEN

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VERGESELLSCHAFTUNG VON CHINCHILLAS

 

 

 

 

 

 

 

 


      Huhu, und wer bist denn Du ? 

DIE PRAXIS: KONSTELLATIONEN UND BERICHTE

GRUNDLEGENDES

NORMALE METHODEN


CRASH-KURS METHODEN

FAZIT

WICHTIGE FRAGEN VORAB

Warum, wozu, mit welchem Ziel?

Soll es eine Zuchtgruppe werden oder nicht zur Zucht (gleichgeschlechtlich oder kastriertes Böckchen)?

  • Wie groß ist die bestehende Gruppe?
  • Wie setzt sie sich zusammen? 
  • Wie alt sind die Tiere? 
  • Wie lange leben sie bereits in dieser Konstellation zusammen? 
  • Wie ist die Machtverteilung innerhalb der Gruppe? 
  • Wie alt / welches Geschlecht hat das neue Tier? 
  • Vorgeschichte des neuen Chinchillas?
  • Verhaltensauffälligkeiten und/oder Anomalien bei einem der Chins?


In der Praxis VOR jeder VG

  1. die QUARANTÄNE von neuen Tieren
  2. der erste Kontakt als Verträglichkeits-Test (=Schnüffeltest)

SCHNÜFFELTEST - ERSTER TEST AUF VERTRÄGLICHKEIT

Hier finden sie das Original vom "Schnüffeltest" in Bezeichnung und Beschreibung
wie es ursprünglich von mir verfasst erstmals auf dem deutsch-sprachigen Internet veröffentlicht wurde.

Eine VG bei Chinchillas als nur halb-domestizierte Wildtiere ist oft keine einfache Entscheidung. Hinzu kommen Tiere auf unterschiedlichen Domestikationsstufen, was die Einschätzung gerade für Neulinge in der Chinchilla Haltung noch komplizierter macht. Die Frage, die sich bereits im Vorfeld stellt:→ macht es überhaupt Sinn mit den Tieren eine Vergesellschaftung zu versuchen?

Der erste Eindruck erfolgt über den Geruch. Anerkennung und Ablehnung läuft bei Chinchillas im ersten Schritt primär über den Geruch. Ihre Liebe und Sympathie gehen beim ersten Kennenlernen durch die Nase. Der Körpergeruch ändert sich nicht, egal welche VG Methode als Mittel zum Zweck angewendet wird. Verwendet man Methoden, die auf Zwang, Bestrafung oder Unterdrückung arteigener Instinkte und Verhaltens beruhen (-> siehe CRASH KURS Methoden), erzwingt man eine vorübergehende Waffenpause. Es ändert nichts daran, daß Chinchillas sich riechen können oder nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit bis Konflikte wieder aufbrechen. 

Umgekehrt, stimmt der Geruch und die gegenseitige Akzeptanz der Tiere auf freiwilliger Basis hat man eine solide Grundlage, die Übergangsphasen wie Pubertät, Rangordnungskämpfe, etc. nicht irreparabel ausarten lassen. Ganz einfach, weil die Basis stimmt. Eine Verträglichkeit, die den Geruch und die olfaktorische Annäherung respektvoll berücksichtigt und einen Rahmen dafür bietet ist daher hilfreich um eine Verträglichkeit relativ leicht im Vorfeld festzustellen. Oft sind Sympathie und Antipathie bereits beim ersten Kontakt gut einzuschätzen. Auch wenn die Einsicht oft schwer fällt, aber manche Tiere passen einfach nicht zusammen. Es macht in solchen Fällen keinen Sinn eine VG zu dem Zeitpunkt trotzdem zu versuchen. Man riskiert dadurch Verletzungen, Traumata und erhält im "besten" Fall eine latent instabile Gruppe. Sowas läßt keinen Chinchillaliebhaber ruhig schlafen. Also im ersten Schritt die eigenen Wünsche zurückstellen und stattdessen genau hinschauen und die Tiere beobachten, wie sie selbst zu Anbeginn entscheiden! (s. Anleitung unten). Je nachdem folgt der Schritt zur VG, bzw. man kann sich den Versuch sparen. Hier findet sich eine simple Anleitung, um die Verträglichkeit im ersten kontrollierten Kontakt heraus zu finden.

 

DER SCHNÜFFELTEST = KOMPATIBILITÄTS-TEST
Das Original auf dem deutschen Web

von Claudia A Mooser


Finden sich meine Chins sympathisch? Können sich meine Chins riechen?

Ob Chinchillas sich leiden können hängt ganz entscheidend vom Geruch ab.

Wenn die Tiere sich gut riechen können“,* dann können sie dauerhaft friedlich und glücklich miteinander leben. Umgekehrt – können sie sich nicht riechen, so kann man sie zwar kurzzeitig zusammen zwingen, aber man hat keinerlei Garantie für eine stabile dauerhafte Harmonie im Sozialgefüge. Daher gehen ich und viele andere langjährige Chinhalter folgendermassen vor:

VOR dem ersten Zusammensetzen - der KOMPATIBILITÄTSTEST = Schnüffeltest

  • Beide Chins auf gleicher Höhe halten, aber in Sicherheitsabstand
  • Näschen aneinanderhalten
  • Näschen an verschiedenen Körperstellen ins Fell des anderen halten 
  • Chins auf leicht unterschiedlicher Höhe halten, um zu sehen wer dominant bzw. unterwürfig reagiert
  • Wichtig bei Gruppenvergesellschaftung: diesen VORTEST auf jeden Fall mit Alfatier in bestehender Gruppe und neuem Tier durchführen
  • jeweils die Reaktion abwarten und auswerten.


Bei diesem VORTEST zeigt sich bereits wie die Tiere aufeinander ansprechen.

Zeit nehmen VOR jeder Vergesellschaftung:

  • Verhalten genau beobachten (z.B. während der Quarantäne)
  • speziefische "Geschichte" und individuellen Reaktionsmuster analysieren 
  • daraufhin eine individuell geeignet Vergesellschaftung durchführen

So erhält man frühzeitig Aussagen über die geeignete Vergesellschaftungsmethode, und zugleich über die BESTE PARTNERWAHL. Nicht ganz unwichtig, denn schliesslich sollen die Tiere rund 20 Jahre zusammen glücklich werden.

NORMALE ( SANFTE ) METHODEN ZUR CHINCHILLA VERGESELLSCHAFTUNG ( INTERNATIONAL )

  1. "Methode der Züchter" =  Gitterkäfig mit Laufgang, Einstiegsloch (für Böckchen), Halskrause (für Weibchen)
  2. "Käfig-an-Käfig-Methode" = die Simulation dessen im Heimtierbereich
  3. "Integrations-Methode"

METHODE DER ZÜCHTER (NEUZEIT)

(1) Die oben genannte "Methode der Züchter" (Laufgänge, Einstiegsloch) bedeutet, daß das Einstiegsloch bei neuen Tieren noch für rund 14 - 30 Tage geschlossen bleibt. Böckchen und Weibchen haben in der Zeit unmittelbaren Geruchs- Hör-, und Sichtkontakt. Die Tiere können in der Zeit ihre Individualdistanz selbst bestimmen. Nach der genannten Zeit, wird der Laufgangschieber geöffnet und das Böckchen kann selbst entscheiden, wann es den Schritt in den Weibchenkäfig macht. Die Tiere bestimmen hier weitestgehend den eigenen Rhythmus der Annährung und Reduzierung der Individualdistanz. Die Methode weist eine Erfolgsquote von rund 90% auf.

KÄFIG "AN" KÄFIG METHODE ( KAK )

(2) "Käfig-an-Käfig-Methode". In der Heimtierhaltung wird diese professionelle Methode simuliert durch die "Käfig-an-Käfig-Methode". Zu diesem Zweck werden zwei möglichst identische Käfige in Grösse und Einrichtung für 2-3 Wochen nebeneinander aufgestellt. Das Ganze im Abstand von 5 cm so daß bei Irritationen es nicht dazu kommen kann, daß sie die Chinchillas im Reflex gegenseitig an den Pfoten oder Nase verletzen können. Sie haben dadurch keine Möglichkeit zum unmittelbaren Körperkontakt. In der Zeit unmittelbaren Geruchs- Hör-, und Sichtkontakt.

Die Tiere bestimmen können auch hier den eigenen Rhythmus der Annährung und Reduzierung der Individualdistanz. Sitzen sie irgendwann in den Käfigen auf gleicher Höhe und zur Käfigseiten des anderen Tieres auch während ihrer Ruhe- und Schlafphasen, dann ist das ein guter Hinweis für eine weiterhin erfolgreiche Vergesellschaftung. Die Methode weist eine Erfolgsquote von rund 90% auf.

Weiter differenziert:

  • Wann Desinfektion? Bleibt jedem selbst überlassen. Ich konnte keinen Unterschied ausmachen, der über Erfolg und Mißerfolg der VG entscheiden würden
  • Einstreu und Sandbad austauschen ? Nach der Hälfte der Woche (nicht saubermachen!) bei eine routinemäßig Reinigung von 1 x pro Woche
  • Käfigwechsel – wann und wie? -> Nach der zweiten Woche bei einer geplanten VG von insgesamt 3 Wochen

Verletzungsgefahr (bei sinnvoller Durchführung):

  • im Hinblick auf größere Verletzungen oder tödliche Verwundungen gleich Null. 
  • angebissener Zeh
  • verletzte Schnäuzchenpartie

DIE INTEGRATIONSMETHODE

Die hier im Folgenden geschilderte Methode der SANFTEN INTEGRATION zählt zur ersten Kategorie und zu den klassischen internationalen Varianten in der Hobbyhaltung in der Moderne.

 

VERGESELLSCHAFTUNG

DIE METHODE DER SANFTEN INTEGRATION

von Claudia A Mooser

 

(3) Die Methode der Integration ist das was auf anderen Seiten oft simpel betrachtet als "Einfaches Dazusetzen" bezeichnet wird. Zur Differenzierung: Einfaches Dazusetzen meint ohne Methode, ohne systemathisches Vorgehen und ohne Kenntnis um eine korrekte, sachgemäße Anwendung dieser Methode - dies führt selten zu den gewünschten Ergebnisse. Daher sei ein simplifiziertes Einfaches Dazusetzen hier deutlich differenziert von der Methode der sanften Integration.

Voraussetzung: Voliere mit genügend Raum, Rückzugs- und und Versteckmöglichkeiten.

Das sachgemäße Vorgehen in einzelnen Schritten:

  1. Die Tiere einander "vorstellen". Das ist ganz wichtig!!!! Die Tiere müssen sich bekannt gemacht worden sein: Sicht-, Geruch-, Körperkontakt
  2. Das ranghöhere, dominante Chinchilla wird immer zum rangniedrigeren, subdominanten Tier dazu gesetzt. Nicht umgekehrt!

    In den vertrauten Käfig integrieren (kann vorher desinfiziert werden)
    • des rangniedrigeren Chinchillas wird das dominante Chin dazu gesetzt (es soll neben der Dominanz nicht auch noch vorab Heimvorteil genießen).
    • Bei der Kombination Chinweibchen + Böckchen, sind fast immer die Weibchen dominante Revierverteidigerinnen. In der Kombination wird also das Weibchen zum Böckchen dazu gesetzt.

    Ist der Käfig für beide Tiere völlig neu (Desinfektion macht keinen Käfig neu, s.o.)
    • so sollte man zuerst das subdominante Tier für ca. eine halbe Stunde den Käfig allein erkunden lassen, bis es die Rückzugsmöglichkeiten kennt und sich insgesamt sicherer und vertrauter in der neuen Umgebung vertraut machen konnte und leichten "Heimvorteil" genießt.
    • Auch hier gilt ansonsten zuerst das Böckchen hineinsetzen. Erst nach rund einer 1/2 Stunde das Weibchen dazu setzen. 

  3. Auf gleicher Ebene zusammensetzen, z.B. auf gleichem Brett (nicht auf unterschiedlichen Ebenen). Die Tiere müssen sich dabei zu jedem Zeitpunkt sehen können. Nicht einfach irgendwo im Käfig dazusetzen!!!
  4. Mindestens 1 Stunde die Tiere ohne Unterbrechung beobachten (also vorher die Toilette aufsuchen und Telefon ausstecken oder AB anstellen)

Was sollte man noch beachten :

Verletzungsgefahr (bei sachgemäßer Durchführung):

  • im Hinblick auf größere Verletzungen oder tödliche Verwundungen gleich Null. 
  • Fellverlust beim Herausnehmen bzw. Abbruch einer Integrations-VG


Hinweis: Die Methode der Integration ist das was auf anderen Seiten oft simpel betrachtet als "Einfaches Dazusetzen" bezeichnet wird. Dies beruht größtenteils auf Unkenntnis der fachlichen Einzelschritte und sachgemäßen Anwendung dieser Methode. Deshalb wird sie mancherorts auch irreführenderweise unter CRASH-KURS Methoden aufgeführt. Crash-Kurs ist die korrekte Bezeichnung, wenn man von der sachgemäßen Anwendung in den Einzelschritten nicht über ausreichende Kenntnis verfügt und sie trotzdem anzuwenden oder zu beschreiben versucht.

Fakt ist, die oben beschriebene Methode der Integration zählt zu den klassischen Methoden der Vergesellschaftund seit Anbeginn der Chinchilla Haltung und wurde über viele Jahrzehnte um entsprechendes Wissen und Know-How in den verschiedenen Aspekte weiter differenziert, ausgearbeitet und in ihrer Vorgehensweisen verfeinert. Eine Zusammenfassung, die den aktuellen Kenntnisstand unter Berücksichtigung der jahrzehntelangen Entwicklung enthält, finden sie an dieser Stelle (s. oben).

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CRASH KURS METHODEN

 
  1. VORWORT: Die früheren Methoden in Pelztierfarmen
  2. Die Methode der Tierhändler
  3. "Kleine-Box-Methode" (KBM)
  4. Box, Käfig, Voliere 123...
  5. Ausnutzen der

CRASH KURS METHODEN AUS PELZTIERFARMEN

Vor rund einem halben Jahrhundert war es weit verbreitet in Pelztierfarmen Chinchillas einfach zusammen zu setzen (ganz am Anfang) oder mit Paarungskisten zu vergesellschaften. Diese letztere Vorgehensweise wird heute nur noch in Einzelfällen* in der Großzucht mit speziellen Gitterkäfigkonstruktionen durchgeführt. Das Prinzip bzw. "Methodische" daran :
  • niedrig -> Chin kann sich nicht aufrichten = natürliches Aggressionsverhalten
  • rund -> Chin kann sich bei Angst / Aggression nicht in Ecke "verschanzen" = natürliches Schutz- Abwehrverhalten
  • klein -> Chins können einander nicht ausweichen. Sie sind zur Unterschreitung ihrer Individualdistanz und Körperkontakt gezwungen

In der modernen Chinchillazucht verwendet kaum ein Profi-Züchter diese Vorgehensweise noch als seine generelle Methode zur Vergesellschaftung im eigenen Tierbestand. In seltenen Ausnahmefällen wird sie in Pelztierzuchten verwendet um konkrete Zuchtverpaarungen zu erzwingen.

 

Als "Ersatz" für fachlich adäquate Konstruktionen werden hierzulande im Tierhandel und Hobbyzucht Kreisen auch die kleinen Schaukäfige aus Gitter benutzt. Aufgrund deren Höhe wird die ehemalige Methode der Züchter hier jedoch fachlich nur unsachgemäß umgesetzt. Es sei denn man stopft den Käfig so voll mit Tieren, daß sie sich auf diese Weise nicht mehr aufrichten können. Diese Methode wird jedoch von vielen Tierärzten und Tierschützern abgelehnt.

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert geringe Vorkenntnis des Halters
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 24 Stunden
  • geringer Materialaufwand : billige Gitterkäfigkonstruktion oder standardüblicher Gitterschaukäfig kann als Ersatz verwendet werdet
  • Erfolgsquote über 90%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • Materialaufwand: Gitterschaukäfig bzw. fachlich speziefische Gitterkäfig Konstruktion im Eigenbau (Geld, Zeit, Knowhow)
  • lebensgefährliche Verletzungen
  • Herzinfarkt
  • Traumata
  • schonungslose Unterdrückung artspeziefischen Verhaltens der Chinchilla
  • psychologisches Brechen der Tiere als Methode

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen.
Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten.

 

DIE METHODE IM TIERHANDEL

Auch wenn die eingangs genannten alten Methoden in Pelztierfarmen vor rund einem halben Jahrhundert heute dort kaum noch Anwendung finden, so bieten sie je nach Interessenlage doch einige Vorteile. So ist die Methode der kleinen Behälter / Box/ Gitterkäfig / Ausstellungskäfige heute noch als gängige Praxis im Tierhandel / bei Tierhändlern / Abverkauf üblich, um die gewünschte Verpaarung gleich verkaufsgerecht an den neuen Besitzer abgeben zu können. Zu diesem Zweck werden bevorzugt kleine Gitterkäfige verwendet, wie sie auf Pelztierschauen als Ausstellungskäfige eingesetzt werden. Diese Rundum-Gitterkäfige sind i.d.R. Einheitsgrösse und haben die Maße B 20 cm, H 22 cm, L 28,5 cm.

  • Von Pelztierzüchter, die eine Zuchtverpaarung gezielt erzwingen wollen, werden hierfür 2 Chinchillas in einen solchen kleinen Gitterkäfig gesetzt.
  • Von professionellen Tierhändlern für Chinchillas werden hier 2-3 Chinchillas in einen solchen kleinen Gitterkäfig gesetzt. 
  • Von Hobbyzucht Szene in D werden auch 5 Chinchillas in einen solchen Gitterkäfig gesetzt. Nicht zur Nachahmung empfohlen!!!!

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert geringe Vorkenntnis des Halters
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 24 Stunden
  • geringer Materialaufwand : standardüblicher Gitterschaukäfig
  • Erfolgsquote über 90%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • in den meisten Fällen völlig überflüssig, wenn...
    → man sich stattdessen mehr Zeit nimmt seine Tiere zuerst zu verstehen, zuerst Vertrauen aufzubauen
    → und der Bereitschaft keine Tiere nach Farbwünschen, aus Platzmangel, als Traum-Zucht-Verpaarung zusammen zwingen zu wollen
  • das Spiel mit der Angst & Unterdrückung
  • lebensgefährliche Verletzungen
  • Herzinfarkt
  • Traumata
  • schonungslose Unterdrückung artspeziefischen Verhaltens der Chinchilla
  • psychologisches Brechen der Tiere als Methode

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen.
Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten.

BOX METHODE

Die Boxmethode oder auch KBM = "Kleine-Box-Methode" (KBM) ist eine ähnlich anmutende Variante, und ein weiterer Versuch alte Methoden oder erfolgreiche Methoden im Tierhandel auf die Hobbyhaltung zu übertragen. Bei genauerem Hinsehen hat die BOX Methoden jedoch kaum etwas mit den professionellen Prinzipien der Paarungskisten (wie unter 1 beschrieben) gemein hat. Die Box-Methode beruht darauf, daß man Tiere in eine Transportbox für Nager oder Katzen zusammensetzt. Das Prinzip dahinter:

  • auf kleinen begrenzten Raum zusammensetzen, so daß sie nicht voreinander weglaufen können und sie sich kennenlernen müssen.
  • begleitet von einem Transport, bewirkt das Geschüttel und Gerüttel in fremder Umgebung -> Angst der Tiere, die sie instinktiv aneinander kuscheln läßt

Das ist allerdings auch die einzige Gemeinsamkeit mit einer professionell durchgeführten Methode unter Berücksichtigung arttypischen Verhaltens. Wie man leicht sieht, sind die Prinzipen unterschiedlich und von einer systematischen und methodischen Nutzung kann hier nicht wirklich die Rede sein. Die KBM wäre bei sinnvoller Adaption und Übertragung der professionellen Grundprinzipien und sachgemäßer Durchführung ein niedriger (!) und runder (!!!) Käfig oder Vergesellschaftungsbehälter (siehe oben).Ohne diese ist es nur eine Version was andernorts als "Einfach Zusammensetzen" in dem Fall auf sehr kleinem Raum und nicht in einer Voliere. Versuche sich professionellen Vorgaben aus den Anfängen der Pelztierzucht und dem Tierhandel anzunähern sind:

  • Box mit Handtüchern auslegen, damit so die Box "niedriger" wird
  • Ausstellungskäfig mit so vielen Chinchillas ausfüllen, daß auch hier kein Platz nach oben mehr zum Aufrichten besteht

Beides sind unzureichende Versuche bzw. ein wenig tierfreundliches Vorgehen, um sich an professionelle Vorbilder anzunähern. 

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert geringe Vorkenntnis des Halters
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 24 Stunden
  • geringer Materialaufwand : Transport-Box kann als Ersatz für fachlich qualifizier
  • Erfolgsquote über 75%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • Materialaufwand: Gitterschaukäfig bzw. fachlich speziefische Gitterkäfig Konstruktion im Eigenbau (Geld, Zeit, Knowhow)
  • lebensgefährliche Verletzungen
  • zeitlich geringe Chance für den Halter schlichtend einzugreifen

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen. Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten.

KÄFIG IN KÄFIG METHODE

Diese Vorgehensweise eine weitere Variante der sog. BOX-METHODEN, und geht noch einen Schritt weiter als bei der KBM. In diesem Fall wird ein kleiner Gitterkäfig bzw. Schaukäfig (s.o.). IN das Gehege / Käfig der etablierten Gruppe gestellt. Leider wird finden sich oft unzulängliche und sachgemäße Anleitungen auf dem Internet, die den Stressfaktor und die Belastung für die Tiere noch zusätzlich unnötig erhöhen. Man sollte sich jedoch darüber im klaren sein, daß diese Methode auch bei sachgemäßer Anwendung (und ) ein enormer Stress für die neuen Tiere darstellt.

Die häufigsten Fehler und Stressfaktoren :

  • fehlende komplette Abdeckung auf dem kleinen Gitterkäfig. GANZ GROSSER FEHLER!!!! 

Oberhalb der eingesperrten Chinchilla darf kein Chinchilla in Körperkontakt mit den Neuen kommen können (durch fehlende oder unvollständige Abdeckung). Und dabei geht es nicht nur um das Risiko abgebissener Zehen, sondern um körperliche und psychologische Belastung der Chinchillas. Zur Erläuterung: Zu den natürlichen Feinden der Chinchilla zählen Raubvögel. Jeder Schatten von oben irritiert daher Chinchillas, ist Stress und löst ein instinktives Fluchtverhalten aus. In einem Minikäfig eingeschlossen zu sein ist für ein Fluchttier ohnehin schon ein enormer Streßfaktor. Dabei gleichzeitig keinen festen Schutz von oben zu haben, wenn der Instinkt bei geringsten Reizen bereits Stress signalisiert, geht unter fachlichen Aspekten an die Grenzen des Vertretbaren. Aber selbst mit sachgemäßer Abdeckung ist diese Methode aufgrund der eben geschilderten Dynamik ein immenser Streß für Chinchillas.

Der Stress wird noch weiter verstärkt :
  • durch die Positionierung des kleinen Käfigs am Boden ( Stichwort -> räumliche Hierarchie)
  • durch die "Offenheit" der Gitterkonstruktion nach allen Seiten hin (keine Rückzugsmöglichkeit, kein schützender Winkel)
Von einer wie hier geschilderten Vorgehensweise zur  Vergesellschaftung von Chinchillas ist für eine Liebhaberhaltung DRINGEND abzuraten!!!

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert wenig Vorkenntnis des Halters
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 24 Stunden
  • Erfolgsquote über 75%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • bedarf einer Käfigkonstruktion, die in die Voliere passt (für manche schon ein grosses Hindernis aus Platzgründen)
  • Traumata durch offenen Deckenbereich
  • Traumata durch rundum einsehbare Seitenbereiche

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen. Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten. 
 
 
Ein Beispiel für eine FACHLICH KORREKTE Adaption von KÄFIG IN KÄFIG
  • kein offen begehbarer oberer Bereich
  • zwei solide Seitenfronten (Rücken- und Seitenwand)
  • Bewegungsfreiheit über mindestens eine höhere Ebene
  • Fokusierter Einsatz zur Konfliktbeilegung in einer etablierten Gruppe ( nicht zur VG neuer Tiere )

BOX, KÄFIG, VOLIERE 123 ...

Diese Vorgehensweise beginnt meist mit der Methode der Tierhändler unter Verwendung eines kleinen Schaugitterkäfigs. Hier werden bis zu 5 Chinchillas in eine Gitterkonstruktion gepfercht. Es folgt am gleichen Tag :

  1. ein Umsetzen in einen handelsüblichen Pelzzuchtkäfig.
  2. Dann ein weiteres Umsetzen in einen mittelgroßen Käfig
  3. und schließlich ein Umsetzen in die endgültig vorgesehenen Voliere.

    Tritt Unruhe in der jeweils nächstliegenden Stufe auf, so wird von Vertretern dieser Variante empfohlen, die Tiere wieder in die kleinere Käfig Variante zurück zu setzen, um den Prozess dann von dieser Stufe ausgehend neu zu beginngen.

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert wenig Vorkenntnisse des Halters
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 24 Stunden
  • Erfolgsquote über 75%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • Materialaufwand: 3 verschiedene Käfig Varianten
  • Zeitaufwand: 3 maliges Umsetzen und evtl. zusätzliches Zurücksetzen bei unerwünschtem Verhalten
  • das Zurücksetzen in die kleinere Variante ist eine Bestrafung für die Tiere
  • Strategie der Bestrafung: von den Tieren wird das Zurücksetzen in den kleineren, beengteren Raum sobald sie arteigenes Unwohlsein oder Aversion zeigen, als Bestrafung empfunden.
  • Unterdrückung artspeziefischen Verhaltens der Chinchilla
  • hier wird ebenfalls arttypisches Verhalten als Ausdruck von Unwohlsein und unterschrittener Individualdistanz und kritischer Distanz unterdrückt
    bis die Tiere klein beigeben und arteigenes Verhalten und Instinkte nicht mehr zeigen

Allein das Umsetzen ist für die Tiere ein immenser Stress und Belastung. Hinzu kommt die methodische Unterdrückung von artspeziefischen Chinchilla Verhalten gleich zu Beginn.  In konzentrierten und fachmännisch durchgeführten "VM48hrs"-VGs, dient die erste Phase dazu um die sich fremden Chinchillas sprichwörtlich "KLEIN"-ZUKRIEGEN (psychologisch und physisch). Die weiteren Schritte verfolgen eine schonungslose Unterdrückung von arttypischen Unwohlbekundungen dieser Tierart. Sie bauen anstelle dessen auf der Erschöpfung der Tiere und ihrer Angst vor Bestrafung auf. Diese Methode ist vergleichbar mit dem sogenannten "Brechen" der Pferde bei ihrer Zähmung und Zureitung.

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen. Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten.

AUSNUTZEN DER HITZE PERIODE

Dieses Vorgehen beruht darauf ein Böckchen zum Weibchen zu setzen, wenn dieses in der Brunft und empfängnisbereit ist. Die Idee dahinter muß nicht weiter erläutert werden. Problematisch: Brunft bedeutet aber keineswegs eine sofortige Partnerakzeptanz.. Man riskiert hier viel Aggression und eine hohe Verletzungsgefahr. Oder wie ein international erfolgreicher Schauzüchter es formulierte: Das ist wie ein Weibchen vor eine geladene Kanone zu setzen.

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert als Vorkenntnis des Halters lediglich die Erkennung der Hitze (kann auch von TA bestätigt werden)
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 24 Stunden
  • Erfolgsquote über 75%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • Risiko der Tötung der Weibchen
  • lebensgefährliche Verletzungen
  • zeitlich geringe Chance für den Halter schlichtend einzugreifen

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen. Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten.

EINFACH ZUSAMMENSETZEN

Ein einfaches Zusammensetzen im vorgesehenen Käfig wird oft aus Mangel an differenziertem Wissen mit der Integrations-Methode gleichgesetzt.  De Facto bezeichnet es jedes Vorgehen, daß auf eine Methode und fachlich systematisches Vorgehen unter Berücksichtigung artspeziefischer Verhaltensweisen verzichtet. Die Größe des Raums, Trägers, Box oder Gitterkäfig ist dabei irrelevant. Einfach Zusammensetzen kann in einer KLEINEN BOX in einer TRANSPORTBOX oder in einer Voliere stattfinden. Der Unterschied ist lediglich: in einem kleinen Umfeld ist der Schock und Stress für die Tiere größer. In einer grossen Voliere oder Gehege ist der Stress für die Tiere geringer, weil er eine größere Bandbreite an natürlichen und arttypischen Schutzverhalten zulässt.

Vorteil dieser Methode:

  • erfordert als Vorkenntnis des Halters -> Trennen wenn Blut fliesst, kann jeder erkennen
  • geringer Zeitaufwand - Abschluss idR innerhalb von 30 Minuten
  • Erfolgsquote über 75%

Nachteil(e) dieser Methode:

  • Traumata durch Angriffe
  • lebensgefährliche Verletzungen

Fazit und Beurteilung:

Je nach Interessenlage des Halters bzw. Züchters (s. Vorteile) kann diese Methode das richtige Mittel zum Zweck der Vergesellschaftung darstellen.
Im Hinblick auf eine Liebhaberhaltung bzw. Liebhaberzucht ist von dieser Methode allerdings abzuraten.

ZUSAMMENFASSUNG ZU CRASH-KURS METHODEN

Vorteil all dieser Methoden

  • Schneller Erfolg
  • Hohe Erfolgsquote (v.a. kurz nach Abverkauf)
  • geringer Zeitaufwand (max 24 Stunden)
  • geringer Materialaufwand (kleine Gitterbox)
  • keine besonderen Vorkenntnisse oder sensibles Einschätzungsvermögen vonnöten
    (Wenn Fell fliegt und Blut fließt... das sieht auch jeder Laie sofort! )

Verletzungsgefahr körperlich und seelisch (bei fachmännischer Durchführung):

  • Panikattacke mit Todesfolge
  • aufgerissene Schädeldecke
  • Herzinfarkt
  • psychische Traumata, die im Anschluß daran weitere VG Versuche einen Partner zuzuführen um Monate zurück werfen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Diese eben genannten "Methoden" = Vorgehensweisen dienen dem Züchter dazu die Tiere möglichst schnell und für den Halter mit möglichst geringen Aufwand zusammen zu bringen. Je nach Interssenlage der Besitzer mag dies für die Halter sinnvoll erscheinen. Man sollte sich jedoch bewußt sein, was man dafür in Kauf nehmen muß. 

 

Diese Methoden gelten und funktionieren bis zu 90% auch für den Fall, daß sich die Tiere nicht verstehen, aber eine bestimmte Zuchtverpaarung „erzwungen“ werden soll. Von allen in diesem Kapitel genannten VG-Methoden macht die VG unter Ausnutzung der Hitze eine Ausnahme, weil sie artspeziefisches Verhalten nicht unterdrückt, aber mit so hohem Risikofaktor anwendet, daß sie auch heute mittlerweile in Pelztierfarmen zu den veralteten und überholten Methoden zählt.

Die meisten Crash-Kurs Methoden bauen auf einer NEGATIV-STRATEGIE auf. Sei es Angst, Einschüchterung, Erschöpfung, Unterdrückung artspeziefischen Verhaltens und arteigener Kommunikation und/oder den Willen des Tieres zu brechen. Diese Methoden sind keineswegs international so anerkannt wie sie manchmal auf Internet-Plattformen und Foren dargestellt werden. Derartige Methoden werden zudem von vielen Tierärzten, Tierpflegern, Tierpsychologen und Chinliebhaber/Innen wegen dem oben genannten Grundprinzip der methodischen Unterdrückung artspeziefischen Verhaltens und der "Bestrafung" Strategie abgelehnt. Der Respekt vor Tieren als Lebewesen macht auch bei Chinchillas langsam Fortschritte hin zur MODERNE.

DAS WICHTIGSTE

© 2001-2009 Claudia A Mooser


ES SIND LEBEWESEN !!!


... mit Vorgeschichte, Gefühlen, Intelligenz und Würde!

JEDES Lebewesen und jedes Chin ist INDIVIDUELL
Sie alle verdienen unsere Liebe und Respekt auf ihre Weise


Seit Jahren betone ich es immer wieder : Die Methode sollte immer individuell auf das einzelne Tier und die Gruppe abgestimmt sein. Jedes Tier hat als Lebewesen seine individuelle Sensibilität, Geschichte und Reaktionen. Je nachdem wie sehr dies bei der Vergesellschaftung bereits berücksichtigt wird, kann dies ausschlaggebend für den Erfolg und das harmonische Einleben, Wohlbefinden und Vertrauensverhältnis zwischen Halter und neuem flauschigen Lebensgefährten sein.

Meine Erfahrung ist, dass die Gruppen nur langfristig stabil sind, wenn die Chins ihre Partner freiwillig akzeptieren und kennen lernen. Diese Erfahrung wird auch von vielen langjährigen Züchtern bestätigt. Entscheidend dabei ist, daß die Grundlage stimmt, die es ermöglicht Rangkämpfe, Pubertät, etc. also Phasen der Unruhe zu tragen. Jedes Tier ist individuell in seinem Charakter, seiner Geschichte und seinen Bedürfnissen. Wer es schafft dies zu berücksichtigen - auch in der Vergesellschaftung - hat auch auf Dauer eine Garantie, dass ihre Gesellschaft nicht durch Stress künstlich erzwungen wurde, sondern die Tiere sich auch freiwillig langfristig "aussuchen"... ihre artspeziefische Kommunikation wird nicht unterdrückt, sondern vom ersten Moment an sensibel respektiert und gefördert. So genießen unsere Chinnies unsere Liebe und Würde!

Chinchillas sind - intelligent, sensibel, stressempfindlich. Umso mehr als halbdomestizierte Tiere (sprich Menschenumgebung ist ihnen nicht natürlich) und in ihrer Wahrnehmung als Fluchttier. Sie sollten deshalb gerade im Heimtierbereich MÖGLICHST STRESSFREI aneinander gewöhnt werden. Für eine Liebhaberhaltung sollte dieser "Luxus" selbstverständlich sein. Es dient ihrer Gesundheit und ihrem Vertrauen in ihren Halter und ihr neues Zuhause. Nur so hat man eine gute Chance für freie glückliche Chingruppen und eine vertrauensvolles Verhältnis zu den Tieren aufzubauen... immerhin sollen sie rund 20 Jahre mit uns und miteinander glücklich zusammenleben.

MEINE TIPPS & TRICKS

© 2005 Claudia A Mooser

Grundlegendes

  • nie in der Aktivitätsphase (also zwischen 19:00 -7:00 Uhr ). Während der Ruhephase -> sind zu müde, um sich groß aufzuregen
  • nie ohne Aufsicht (Minimum 1 Stunde daneben sitzen. Ich habe den Käfig meist neben dem Bett oder Schlafe im VG Zimmer)
  • Keine parallelen VGs im gleichen Raum -> sorgt für mehr Unruhe. Gefahr der negativen STIMMUNGSÜBERTRAGUNG bei Herdentieren
  • dominantes Tier immer zum subdominanten Setzen und nicht umgekehrt (dominantes Tier soll keinen zusätzlichen Heimvorteil haben)
  • Weibchen zu Böckchen setzen und nicht umgekehrt -> Weibchen ist mehr reviergebunden und daher im eigenen Revier aggressiver bei Neuzugang
  • Ablenkung durch Sandbad, neue Knabberäste
  • immer mehrfache Versteckmöglichkeiten bereit stellen

Darüber hinaus
  • Mozart-Effekt ausnützen -> klassische Musik von Mozart oder Bach leise im Hintergrund
  • nie bei Vollmond
  • nie am Sonntag
  • Bevorzugte Tage sind Montag und Mittwoch

ABBRUCH EINER VG - AB WANN ?

© 2001-2009 Claudia A Mooser

CHRONOLOGIE EINER NEGATIVEN VG ENTWICKLUNG

Die folgenden Punkte sind in chronologischer Reihenfolge aufgeführt, wie die meisten Vergesellschaftungen ablaufen, die sich negativ entwickeln. Es liegt an der Sensibilität und den Prioritäten eines jeden einzelnen Halters, wann er beschließt einzugreifen. Ich trenne ab Stufe 1

  1. ein Chinchilla zieht sich bei direktem Körperkontakt immer mit ganzem Körper über mehr als 5-10 cm zurück
  2. ein Chinchilla versteht keine Rangordnung (-> degenerativer Domestikationsprozeß) und geht gegen Widerstand immer wieder auf oberste Ebene
  3. Chinchilla verbarrikadiert sich in Unterschlupf und klappert mit den Zähnen -> Zähneklappern / Knirschen
  4. Chinchilla verbarrikadiert sich in Unterschlupf und stößt -> Schrei = Panikschrei aus
  5. Chinchilla läuft davon und reizt dadurch andere noch mehr zum Nachlaufen -> Gefahr der STIMMUNGSÜBERTRAGUNG bei Herdentieren
  6. Verfolgungs- und Jagdszenen, wobei immer dasselbe Tier flieht und die Verfolger gezielter und schneller nachsetzen
  7. es fliegt Fell
  8. es fließt Blut

WAS TUN - WENN DER ERSTE VERSUCH SCHEITERT?

© 2001-2009 Claudia A Mooser

  • Je früher man bei negativer Entwicklung trennt, desto größer die Chance auf einen erfolgreichen zweiten Versuch.
  • Je später man trennt, desto traumatisierter ist das Chinchilla für die nächste Begegnung mit einem neuen Partner
  • 14 Tage Pause bei gescheiterten Versuchen. Das ist der durchschnittliche Zeitraum in dem die Erinnerung an den Geruch des anderen Tieres mit dem negativen Erlebnis verbunden wird. In dieser Zeit darf kein Sicht-, Geruchs- oder Hörkontakt bestehen.
  • Scheitert auch ein Versuch nach 14 Tagen Pause, dann macht in der Regel auch ein 3. Versuch keinen Sinn

BERICH : 3 + 2 FAST PERFEKT - BIS AUF DAS SCHWÄCHSTE GLIED


© Claudia A Mooser
Hier ein Beitrag vom 04-09-2006 aus dem CI-Forum zu meinen Beobachtungen in CHINCITTA.
Eine fast perfekte Vergesellschaftung

Hallo,

ein aktueller VG-Bericht hier aus chincitta. Ich hatte die menschliche Idee wie romantisch es wäre aus einer 3-er und 2-er Gruppe eine - 5-er Gruppe zu bilden. Um ihnen auf der Basis einen entsprechend grossen Käfig im noch freien Platz hier zu bauen.

VG-Methode - 5er Gruppe

Neuer Käfig, ganz frisch und jungfräulich. Die schwächere Gruppe = in dem Fall die 2er Gruppe zuerst reingesetzt. Am 2. Tag Stück für Stück Chins aus der 3er Gruppe dazu gesetzt. - zuerst das kastrierte Böckchen (sonst alles Weibchen) - dann das dominante Weibchen aus der 3er Gruppe (die stärkste von allen) - dann das 3. Chin aus der 3er Gruppe (sub-dominantes Weibchen) Alle je einander vorgestellt. Genau beobachtet.

Kleine Fellflusen in 3 Tagen - mehr nicht. Keine Aggressionen, kein Fiepsen. Am Anfang sitzen noch alle in IHREM Eck im Käfig. Dann findet Gruppenbildung statt. Kein Jagen, kein Fellfliegen, kein Gequieke. Wooohoooo!!! Super Vergesellschaftung! Hab meine grosse Chingruppe!!!! Post auf dem Internet....

Fakt und Realität

Ich hab sie am 3. Tag aufgelöst. Nicht weil die Gruppe sich nicht vergesellschaften liess. Das Ergebnis war Internet-Super!. Aber: mein schwächstes Glied -Soraya mit Zahnfehlstellung - hat sich zurück gezogen. Sie ist ein Chin, dass sich aufgrund ihrer Zahnfehlstellung nicht verteidigen kann UND sie weiss das! Und die andern merken das. Auch wenn sie sie deshalb nicht mobben, so zieht Soraya sich extra (waise) zurück. Ihre Behinderung provoziert Mobbing. Nein, keine grossen Gesten. Nur subtile Gesten, die ich wahrgenommen habe. Nicht gut genug für meine Vorstellung von einer Chingruppe mit Lebenserwartung von (hoffentlich) 20 Jahren gemeinsamen Käfig-Lebens. Nix Yuhuu!!! :wink:

Ich hab die Gruppen wieder in ihrer Ursprungsformation getrennt. Und Soraya lebt wieder auf und macht Glückshüpfer durch den Riesenkäfig. OK, jetzt hab ich ein Problem (*Ironie) - mit den neuen Käfigen. Soraya bleibt auf jeden Fall hier in dem Käfig, der sie so glücklich macht!. Arrg... Umbauen, Trouble... wie unbequem und unangenehm für mich als Halter (*Ironie) . Tja, und wisst ihr was?! Ich bin soooo glücklich, dass ich es früh genug wahrgenommen hab, das sie sich in der neuen Gruppenkonstellation nicht entfalten konnte.

Ok, Umplanung. Eine positive Herausforderung für einen Tierhalter. Nix ist unmöglich! :wink: Ich liebe es, den Chins ihren Lebensraum anzupassen um solche Glückshüpfer zu sehen! :D

 

BÖCKCHEN ( KASTRAT ) + BÖCKCHEN ( UNKASTRIERT )

Vorwissen

In der Natur sind zeugungsunfähig gewordene Tiere niemals Leittiere, Alfatiere, oder dominante Tiere. Fortpflanzung ist das Privileg des Leittieres und der Alfatiere in der Gruppe. Leittiere verlieren ihren Status in der Rangordnung mit dem Verlust ihrer Zeugungsfähigkeit. Sei es aufgrund von Unfall, Verletzung, Altersschwäche ( oder in der Niederlage im Kampf gegen einen männlichen Herausforder). Wenn sie nicht mehr zeugungsfähig sind, dann gilt das in der Natur als Schwäche im Sinne der Arterhaltung. Der Grund ist ganz einfach: die Art überlebt nur, wenn Gene weiter gegeben werden.

Kastration - im Unterschied zur Sterilisation - wird in der Zoo- und Tierhaltung u.a. auch angewendet, um aggressives Verhalten zu reduzieren. In Herdenhaltung ermöglicht die Kastration auch die freie Haltung von mehreren männlichen Tieren in der Gruppe, ohne daß dies Anlaß für Streitigkeiten in der Herde ergeben würde. Kastraten übernehmen auch hier in der Gruppe immer eine untergeordnete Stellung ein. Ein Kastrat wird von dem männlichen Leittier nicht als Konkurrent wahrgenommen und deshalb in den allermeisten Fällen geduldet. Kastration, Sozialisation und Rangordnung sorgt wiederum für Stabilität in einer komplexeren Herdenformation. 

Zu Beachten

Bei der VG von Chinchillas, ist das kastrierte Tier automatisch langfristig das untergeordnete Tier. Ist der Kastrat jedoch in der Haltung das Stammtier, und das unkastrierte Tier der Neuzugang, kann es zu folgenden Situationen kommen:

1, daß der Kastrat sein "Revier" im Sinne des etablierten trotzdem eine Weile lang zu verteidigen versucht -> Unstimmigkeiten
2. daß der Kastrat die Rolle des "Gönners" übernimmt, und aufgrund reduziertem Aggressionsverhaltens (durch Kastration) den Neuzugang sofort aufnimmt.

KLASSIS ANTIK - BUGSY ALS RÖMISCHER LEGIONÄR

© Claudia A Mooser 

 

 

 

Hallo alle,

irgendwie machen meine Chins immer mehr ihre VGs selbst.

Bugsy hat auch shcon seine eigene Methode entwickelt. Das kam so. ..

Ich bekam BELLA BARTL - eine sehr liebe charakterstarke Chindame. Ca. 1.5 Jahre. Und sie hatte ein Kommunikationsproblem. Sie dachte sie darf alles. Das ist ein Problem. Während Jag und Noire sie aufgenommen hätten, so wollte Noire (Weibchen) doch zumindest festlegen, daß sie zuerst hier war. Das wäre von Bella aus auch kein Problem gewesen, hätte sie sie nur in das beste Schlafhäuschen reingelassen. Für Belle war es einfach ein Bedürfnis sich da reinzusetzen Sah bequem aus!
Für Noire war es eine Prinzipienfrage der Hierarchie Kannst gerne rein, aber im Prinzip ist es mein Haus.
Bella fand das alles viel zu kompliziert. Und immer wenn sie zu dreist wurde und ich ihr zuredete guckte sich mich an - meinst Du wirklich? Das Haus ist aber so nett!
Noire ist eine liebe Chinchilla und hat die Rangordnung mit viel Geduld und sanft durchgesetzt bis Bella endlich auf der untersten Käfig Ebene war. Tja, da viel ihr aber plötzlich ein Oben ist es viel lustiger...

Arrrg, für dominantes Käfig-Chin UND für Chinhalter... das würde viel Zeit brauchen, viel Aufwand. Ungewisser Ausgang.

Also PLAN B in betracht ziehen.

Bugsy lebt mit Ava. Seitdem wird er immer blöder und zickiger, genau wie Ava. Vielleicht nicht die optimale Kombination.

Ava wird einer anderen Gruppe vorgestellt - und ich fasse es nicht - es klappt .... OK, einen Geschichte für sich, die eigens erzählt sein will. Ich sag nur Rattel rattel tong tong mit Happy-End.

Zurück zu Bugsy - der wird nun Bella Bartl vorgestellt. Und siehe da - Bella ist angetan. Bugsy ist ein "Hosenscheißer" wie immer. Super lieb und süß und wenig mutig wie immer. Was macht er - er verbarrikadiert sich (ohne daß je ein Angriff von Bella erfolgt wäre) hinter einer Korkrinde. Die VG ist wohl diffiziel. Ich schlafe also neben dem Käfig. Und siehe da - Bugsy pirscht sich des Nächtens hinter seinem Korkrinden-Schild zentimeterweiße an Bella ran. Die wartet eh aufgeschlossen auf dem gleichen Sitzbrett, aber Bugsy scheint die Situation nicht ganz richtig (harmlos) einzuschätzen. Jedenfalls nächtigt er HINTER seinem Korkrinden-Schutzschild. Zentimeterweise robbt er dahinter in ihre Nähe und lugt immer wieder drüber hervor. Belle gefällt ihm. Das Schutzschild ist nun schon deutlich näher an Bellas Schlafplatz gerückt ist.

Das geht so zwei Nächte. Dann wird es der tatkräfiten Bella Bartl zu dumm. Sie hoppelt zu Bugsy, guckt über sein Kork-Schutzschild neugierig und lieb drüber und zieht es kurzerhand weg. Wie eine Bettdecke, die man einer Schlafmütze wegzieht, damit er endlich aufsteht. Bugsy guckt verdutzt. Belle ergreift die Iniitiative und drückt ihre Flauschnase in Bugsys Gesicht.

Tja, seither leben sie zusammen - ohne Kork-Schutzschild.

Soviel zu meiner genialen VG Methode. Öhm, naja, der meiner Chins... ich nenne sie die klassisch antike Legionärs-Methode.

 

VG Schilderung von mir auf dem www.chinchilla-forum-online (Chinchilla Lexikon) 
Verfasst am: 27 Feb 2008 19:48  
Titel: Bugsy als Legionär - die klassisch antike VG Methode meiner Chins

 

MEINE CHINCHILLA VERGESELLSCHAFTEN SICH SELBST - HILFE !

 © Claudia A Mooser 

 

 

 

Hallo alle,

während meiner Internet Abstinenz wurde eine neue VG notwendig.

Ava = Black Velvet = extrem schwierig für VGs

Ich setzte sich in den Anlieger-Käfig zu Belle de Jour und ihrem Sohm Cipriani ( = Cippy ). Die KÄfige sind getrennt durch Laufgangschieber.

Was passierte ....


Ich setzte Ava in den "Wintergarten" neben Belle de Jours / Cippys Käfig. Kaum verlasse ich den Chinraum höre ich auf halber Höhe und meinem Weg zum nächsten Zimmer ein Rattel Rattel Tong Tong .

Ich zurück ins Chinzimmer. Belle de Jour hat es geschafft die Laufgangtür zu Avas Wintergarten aufzuziehen.
Beide Chins sitzen nun friedlich, aber abtastend in Avas Wintergarten.

Nein, nein, Belle de Jour, so geht das nicht! Das soll eine langsame K-a-K (Käfig an Käfig) Vergesellschaftung werden. Hobbygemeinschaften sagen, das ist ganz gefährlich, einfach so zusammen zu setzen. Belle guckt mich verblüfft an! Ich trenne die beiden. Verlasse den Raum. Rattel Rattel Tong Tong. Belle (Alfatier) sitzt schon wieder neben Ava. Ganz friedlich!

Der einzige, der es nicht auf die Reihe kriegt = Cippy. Cipriani scheint sich in seiner Rolle nicht ganz sicher.
-> der Sohn von Belle de Jour, der seine Mutter beschützt
-> der Bruder, der sich noch an Alana Aimee erinnert und ihren Platz freizuhalten sucht
-> das Böckchen (=Beschützer und Bewahrer), der das gemeinsame Territorium beschützt

Kurzum: Belle de Jour nimmt Ava an. Cippy ist verwirrt. Belle de Jour besänftigt Cippy, kuschelt und schmust ihn.

Akuteller Stand: Ava und Cippy kuscheln was das Zeug hält. Belle de Jour ist froh, daß Cippy endlich eine Frau gefunden hat! Uffff....

 

VG Schilderung von mir auf dem www.chinchilla-forum-online (Chinchilla Lexikon) 
Verfasst am: 07 Feb 2008 20:38   Titel: Meine Chins vergesellschaften sich selbst !

 

 

 
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