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GRUNDLAGEN SOZIALVERHALTEN IN MENSCHLICHER HALTUNG (Gruppen und Aufzucht) ZUSAMMENFASSUNG |
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SOZIALVERBAND = soziale Organisation kann ganz unterschiedlich ausfallen.
Die sozialen Beziehungen aller Mitglieder untereinander bestimmen die soziale Organisation
Wie kann man nun der Sache genauer auf den Grund gehen! Ein entscheidenden Hinweis gibt uns das Paarungssystem.
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Wie es sich bei unseren Chinchillas in der Natur, Grosszucht und Heimtierhaltung verhält werden wir uns hier im weiteren genauer ansehen.
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WAS WISSEN WIR AUS VERLÄSSLICHEN QUELLEN?!
| Female chinchillas are mostly monogamous. The breeding season occurs between November and May in the Northern Hemisphere and between May and November in the Southern Hemisphere. |
MONOGAMIE - ABER WELCHE VARIANTE ?!
| MONOGAMIE ist das Paarungssystem mit kurzfristiger oder lebenslanger Paarbindung.
Monogamie wird in der Verhaltensforschung weiter unterschieden in:
Monogamie je nach Einfluß der Geschlechter
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PAARUNGSSYSTEM BEIM CHINCHILLA
Aus dem was uns über das Verhalten der Chinchillas in der Wildnis bekannt ist, liegt es nahe, daß es sich mindestens um eine sog. serielle (saisonale) Monogamie bei Chinchillas handelt. Ob es darüber hinaus auch Varianten von lebenslanger Monogamie gibt, läßt sich anhand der Datenüberlieferung nicht mit Sicherheit sagen.
Ebenso wenig läßt sich mit Bestimmtheit sagen, ob es sich darüber hinaus um eine soziale oder sexuelle Monogamie handelt, hier weichen die Aussagen voneinander ab. Wobei auch der Status als bedrohte Tierart dabei eine Rolle spielen dürfte, die als solches eine Verschiebung von sexueller hin zu sozialer Monogamie bewirkt, um die Chancen der Arterhaltung in einem bedrohten Lebensraum zu erhöhen.
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Auch hier beginnen wir wieder bei dem, was wir an gesichterten Quellen haben:
| Die Tiere (Chinchillas) leben in einer Kolonie zu mehreren Familien zusammen. |
Wie es sich bei unseren Chinchillas in der Natur, Grosszucht und Heimtierhaltung verhält werden wir uns hier im weiteren genauer ansehen.
DIE KLASSISCHE FAMILIEN STRUKTUR BEI HERDENTIEREN:
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Klassische Familie Aus: Dr. med. vet. J. Bartl (2008) |
Wie es sich bei unseren Chinchillas in der Natur, Grosszucht und Heimtierhaltung verhält werden wir uns hier im weiteren genauer ansehen.
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Wir setzen auch wieder an, was wir aus gesichterten und zuverlässigen Quellen überliefert haben:
| Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über Wanderungsbewegungen von Tieren (Chinchillas) zwischen den Kolonien. Es wird jedoch vermutet, daß junge Männchen aus der eigenen Kolonie auswandern. |
| Die meisten Tiere (Chinchillas) verließen ihren Unterschlupf mehrere Male am Tag, ... Ein einzelnes Tier entfernte sich maximal 250 m von seinem Bau |
Auch diesem Punkt gibt es konkrete Aussagen aus zuverlässigen und fachlich relevanten Quellen überliefert:
| Chinchillas are social animals and have been known to live in colonies of more than 100 individuals. |
| Diese Behausungen haben einen Durchmesser von rund sechs bis zwölf Metern, wobei einige Familien im selben Bau leben. |
FRÜHER UND HEUTE
Die Größe der Herde ( engl. colony ), Kolonien und Anzahl der Familienverbände hängt sehr stark von den Umweltbedingungen ab. Ein bedrohter Lebensraum und Tierbestand in der Natur führt zu kleineren Kolonien. Man darf davon ausgehen, daß die Herden VOR der Entdeckung der Chinchilla Pelztierzucht durch die europäischen Eroberer, um ein Vielfaches größer waren, als später im Zuge der Dezimierung durch Pelztierjagd, und Zerstörung der natürlichen Lebensräume in der Neuzeit. Es ist also kein Wunder, wenn die Zahlen und Angaben zur Herdenstärke über die Zeit in der Literatur schwanken.
Hier ein paar ausgewählte Beispiele und Beobachtungen zu Sozialstrukturen in ChinCitta und aus repräsentativen Grosszuchten:
Die Rangordnung war zwischen den Böckchen (Brüder aus dem gleichen Wurf) glasklar und eindeutig geklärt. Erst danach kam ein Weibchen dazu.
Das Chinchillaweibchen wurde in den Schlaf- und Ruhephasen von beiden Böckchen gewärmt. Zu beobachten war häufig, daß das Chinweibchen in der Mitte der beiden Böckchen lag. Böckchen Nr. 2 legte sich dabei nie über sie, sondern immer nur parallel zu ihrem Körper. Das dominante Böckchen deckte irgendwann das Weibchen. Auch danach ändert sich am Pflegeverhalten und gemeinsamen Wärmen und Kuscheln in der Gruppe nichts.
Nach der Geburt der Babies reagierte ausschließlich das dominante Böckchen auf die hormonellen Signale, die ein Nachdecken bei Chinchillas innerhalb der ersten 48 Stunden nach Geburt besonders "fruchtbar" machen. Das dominante Böckchen suchte ständig den Kontakt zum Weibchen unten auf dem Käfigboden und im Unterschlupf, wo sie kurz davor zwei gesunde Babies geboren hatte. Böckchen Nr 2 zog sich unterdessen auf ein oberes Sitzbrett zurück und verhielt sich völlig unbeteiligt.
Zusammenfassung: Sowohl Balzverhalten, gemeinsame Ruhephasen wie auch Post-Natale Verhalten in dieser Gruppe lief völlig geordnet ab. Während der gesamten Zeit des Zusammenlebens war nicht ein einziges Mal ein aggressives Verhalten aufgrund dieser Gruppenkonstellation zu beobachten. Voraussetzung scheint allerdings zu sein, daß die Rangordnung zwischen den Böckchen vorab eindeutig festgelegt und gefestigt ist. Eine erneute Hinterfragung der Ranordnung war zu keinem Zeitpunkt zu beobachten.
Die Rolle der Böckchen
Nach der Geburt gehen vom Chinchillaweibchen unwiderstehliche Düfte aus, die das Chinchillaböckchen zu einem unmittelbaren Nachdecken animieren. Die Arterhaltung erfolgt bei Tiere wie Chinchillas über die große Anzahl. Der Drang zum Nachdecken ist in der Natur verankert und sichert das Überleben der Art. Manche Weibchen verjagen das Böckchen unmittelbar nach der Geburt. Die Ursachen hierfür liegen auf der Hand : Verletzungen durch Geburt oder die Strapazen von führeren unmittelbar aufeinander folgenden Geburten, oder unerfahrene Böckchen in der Brutpflege werden vom Weibchen verjagt. Das schließt allerdings nicht aus, daß sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommen und sich auch erneut mit dem Weibchen decken können. In dem Fall hätten wir sogar eine sog. lebenslange Monogamie.
Chinchillaväter übernehmen eine unterschiedlich aktive Rolle in der Brutpflege:
- Chinböckchen kommunzieren aktiv mit dem Nachwuchs und übernehmen eine unterstützende Funktion bei der Brutpflege indem sie den Nachwuchs - auch in Abwesenheit des Weibchens - wärmen. Ebenso übernehmen sie Schutz- und Wärmefunktion für ihre Weibchen.
- andere Chinböckchen sich auf den Schutz des Weibchens und ihrer Brut
- andere Chinböckchen halten bereits Ausschau nach anderen Weibchen, die noch nicht gedeckt wurden ( -> Gene verbreiten zur Arterhaltung, Dominanz)
- andere Chinböckchen sind mit dem ersten Nachwuchs auch überfordert und müssen erst in die Rolle hineinwachsen
- andere Chinböckchen töten den Nachwuchs, wenn er von einem anderen Böckchen stammt
- andere Chinböckchen akzeptieren selbst den Nachwuchs von anderen Vätern.
Das Verhalten der Böckchen reicht demnach von einer seriellen Monogamie über eine Weibchenkontroll-Monogamie bis zur Kooperativen Monogamie.
In dem Fall ist zu beobachten, daß sich die "Tante" genauso verhält wie das Böckchen Nr. 2 im oberen Fall. Während und für 1-2 Tage nach der Geburt zieht sich die Tante auf das obere Sitzbrett zurück. Es findet zwischendrin nur ein kurzer Informationsaustausch der beiden erwachsenen Weibchen statt (Näschenreiben), ansonsten bleibt es zunächst bei einer freiwilligen räumlichen Distanz ( -> größere Individualdistanz). Die Chinmutter und ihr Nachwuchs bleiben ungestört am Boden - dem Geburtsnest und Unterschlupf. Erst am 2. Tag nimmt die Tante intensiven Kontakt auch mit dem Nachwuchs auf. Sie übernimmt weitgehende Funktionen in der Brutpflege wie Wärmen, auf obere Bretter helfen, und die Aufsicht in der Abwesehenheit der Chinchillamutter (z.B. wenn diese sich zum Ausruhen auf eines der oberen Bretter zurück zieht.
Töchter, die keinen eigenen Nachwuchs haben übernehmen bereits früher eine aktive Rolle in der Geburtspflege. Sie kuscheln bereits als gewohnter Bestandteil der Familie am ersten Tag mit Chinchillamutter und Nachwuchs gemeinsam im Geburtsnest und Unterschlupf der Familie auf dem Boden des Chinchilla Käfigs.
Chintöchter übernehmen in meiner Beobachtung bereits vom ersten Tag an eine stellvertreter Rolle für die Chinchilla Mutter und haben damit einen vitalen Anteil an der Brutpflege. Dabei findet ihrerseits ein immenser Lernprozeß und Training statt, das sie - sollten sie einmal eigenen Nachwuchs haben - bereits von Anfang an zu einem kompetenteren Start verhilft. Eine Beteiligung an der Brutpflege durch die Töchter hilft nicht nur Nachwuchs und Chinmutter, es ist darüber hinaus auch ein wichtiger Bestandteil in deren eigener Entwicklung, Vorbereitung auf eigene zukünftige Mutterfunktionen, die Sozialisierung ( -> Tradition). 'Solche Chintöchter werden phantastische eigene Chinmütter und erleben den ersten Nachwuchs mit viel mehr Gelassenheit, Knowhow und Kompetenz.
VORSICHT: die oben geschilderte KOOPERATIVE Brutpflege unter Weibchen gilt nur für Chinchillatöchter, die noch keinen eigenen Nachwuchs gehabt haben. Mit eigenem Nachwuchs ändert sich das Revierverhalten, Dominanzansprüche und Rangordnung, ebenso wie Individualdistanz. Ist der Raum zu klein werden die Tiere verjagt oder es kommt zu ernsten Kämpfen. In der Hobbyzucht, wo kein großer Raum zum Ausweichen und für die Gründung eines eigenen Familienverbandes in einem Käfig zur Verfügung steht, können diese Kämpfe auch tödlich enden.Wir haben nur wenige gesicherte Quellen, aber aus diesen läßt sich bei näherer Betrachtung einiges ableiten. Demnach könnte der Sozialverband der Chinchillas in der Natur in einem intakten Lebensraum wie folgt aussehen:
Aussagen zur sozialen Organisation von Chinchillas in der Wildnis sind lückenhaft und unterscheiden sich in manchen Angaben über die Zeit. Dabei fällt auf, daß es v.a. Unterschiede sind, die sich aus der drastisch veränderten Lebenssituation der Chinchilla über die letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte ergeben haben: von einer Tierart, die laut frühen Reiseberichten ganze Berghänge bevölkert hatte bis zu einer vom Aussterben bedrohten Tierart, deren natürlicher Lebensraum geschrumpft ist. Es ist logisch, daß sich wissenschaftliche Aussagen je nach Zeitpunkt der Datenerhebung entsprechend unterscheiden, ohne dabei falsch zu sein. Dies betrifft Angaben:
Um nur einige Stichpunkte zu nennen. Was uns hier aber interessiert hat, ist der Sozialstruktur im Ursprung d.h. in einer intakten Umwelt auf den Grund zu gehen. Um das Verhalten von Chinchillas besser verstehen zu können, muß man von einem NORMALZUSTAND ausgehen, nicht von Ausnahmen oder Degenerationsmodellen.
Monogamie ist manchen Tierarten zu eigen. Es ist allerdings auch ein Verhaltensmuster in der Tierwelt, solange eine Art nicht bedroht ist. Nager sichern ihr Fortleben als Art indem sie sich zahlenmäßig gut vermehren. Chinchillas können im Jahr bis zu 3 mal Junge bekommen, zwischen 1-6 Tiere pro Wurf, wobei der Durchschnitt bei 2 Tieren pro Wurf liegt. Die Überlebensrate in der Natur beträgt bei wildlebenden Chinchillas allerdings nur 1,7 Junge / pro Weibchen und Wurf. Monogamie ist ein Luxus in der Tierwelt, wenn die Art nicht bedroht ist. Ist der Lebensraum oder das Angebot an Sexualpartnern durch äußere Einflüsse begrenzt, dann kommt es zwangsläufig auch zu Polygamie und Inzucht in der Natur. Auf diese Weise erhöhen sich die Chancen für das Überleben der Art. Angesichts der Geschichte der Chinchillas - als Tiere die laut frühen Reiseberichten so zahlreich waren, daß sie ganze Hügel und Landstriche übersähten, bis hin zum heutigen Status einer bedrohten Tierart... wen wundert es da, wenn es in der Literatur über die Zeit unterschiedliche Aussagen zu Monogamie und Inzucht Verhalten bei Chinchillas gibt?! Tiere passen sich den äußeren Gegebenheiten und ihrer Umwelt bestmöglich an, denn das sichert das Überleben der Art.
Bis hierher haben wir hauptsächlich das Verhalten der einzelnen Chinchilla und seiner Stellung in der Gruppe dokumentiert. In Kapitel 2 werfen wir nun einen Blick auf das aktive Verhalten von Chinchillas zu Partnertieren, Gruppenmitgliedern, fremden Chinchillas - kurzum ihr Verhalten im sozialen Verband, dem sog. SOZIALVERHALTEN in all seinen Facetten.