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Chinchilla & Natur (Kapitel 1) | Chinchilla & Chinchillas (Kapitel 2) | Chinchilla & Mensch (Kapitel 3)
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In diesem Zeitraum entscheidet sich in der Natur, ob der Nachwuchs in der Gruppe bleiben darf, oder sie verlassen muß. Und wenn er bleiben darf, was seine Rolle im sozialen Verband ist. Mit der Stellung in der Gruppe entscheidet sich auch wer seine Gene weiter geben darf und wer sich unterordnen und andere Funktionen übernehmen muß (z.B.. Mithilfe bei Aufzucht des Nachwuchses, Wächterfunktionen für die gesamte Herde).
Das ranghöchste Tier besteht auf seine Vorangstellung, wenn es ums Überleben geht. D.h. um die Durchsetzung von lebensnotwendigen Ansprüchen auf Nahrung, Lebensraum, Fortpflanzung, Gesundheit bei begrenzten Resourcen. Auf einer Ebene darunter gibt es im normalen täglichen Miteinander eine Reihe weiterer Mikro- und Subsysteme bei Chinchillas:. z.B.
Auf dieser Ebene der Mikrosysteme muß nicht immer das Alpha- oder Ranghöchste, oder dominanteste Tier der Herde in der Praxis auch immer an erster Stelle kommen. Es kann auch rangniedrigeren Tieren den Vortritt am Futternapf lassen, wenn es z.B. selbst noch nicht hungrig ist und die Nahrung nicht knapp ist. Entscheidend für die gesamte Hierarchie ist jedoch für ein Leittier sich in der Fortpflanzung und in kritischen ( lebenswichtigen ) Situationen durchzusetzen.
Die Rangordnungskämpfe fallen in meiner Beobachtung bei Weibchen und Böckchen jeweils unterschiedlich aus.
Ein Leittier garantiert Ordnung im sozialen Verband, die Weitergabe der fittesten Gene und den Schutz seiner Mitglieder. Es liegt in der Natur, daß die Kräfte eines Leittieres sich mit dem Leben verändern. Dabei kann es auch zu Veränderungen in der Rangordnung kommen:
Wie immer gibt es eine Bandbreite von Ausdrucksformen. Die wohl für Chinchillas typische und weit vertraute für den Heimtierhaltung ist das Chinchilla Gegenüber als "Kissen" zu benutzen. Es wird von oben mit dem ganzen Körper bedeckt. Erst wenn das Tier unten ohne Widerstand diese Geste hinnimmt, herrscht Ruhe und Frieden. Bei Widerstand, hält die "Debatte" um die Rangordnung so lange an, bis ein Tier sich dauerhaft fügt.
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Die Begriffe "Leittier" und "Alpha-Tier" lassen sich in der Verhaltensbiologie analog verwenden. Wie sieht es nun bei unseren Chinchillas aus? Gibt es arttypische Leittiere?
Die körperliche Erscheinungsform legt auf den ersten Blick eine Rangordnung nahe: Chinchillas sind dimorph. Das heißt bei Chinchillas sind im Durchschnitt die Weibchen immer grösser als die Männchen. Inwiefern rechtfertigt das auch einen Überlegenheitsanspruch in der Gruppe?
Körperliche (physische) Überlegenheit ist ein wichtiges Kriterium in der Evolution. Ein größeres Tier hat mehr Überblick und es erkennt aufgrund dessen Fressfeinde eher. Eine vitale Eigenschaft für ein Fluchttier wie die Chinchillas, wie wir in TEIL 1 bereits gesehen haben. Es kann die Gruppe eher gegen Angreifer warnen, verteidigen, und auf sie reagieren.
Ich konnte bei meinen Chinchillas immer eine Hierarchie inklusive Subsysteme beobachten.
Das "wichtigste" Tier in der Gruppe war fast ausnahmslos das älteste Chinchilla Weibchen.
SUBSYSTEM - BÖCKCHEN IN DER GRUPPE
Betrachtet man nur die Böckchen, so ist auch hier ein Subsystem mit Hierarchien und Rangordnung zu erkennen. z.B. das exklusive Privileg eines Chinchilla Böckchens, daß nur er sich mit dem Alpha-Weibchen paaren darf. Aus verläßlichen Fachquellen wird berichtet, daß Chinchillas vorwiegend monogam leben / gelebt haben. Das deutet zumindest auf eine SERIELLE MONOGAMIE hin, wie wir in TEIL 1 -> Sozialsystem > Paarungssystem bereits gezeigt haben. Diese kann für das Leben oder eine oder mehrere Paarungssaisonen in zwei Formen auftreten.
Es fällt schwer bei Chinchillas von einer sexuellen Monogamie auszugehen, zumal diese in der Tierwelt generell in der Minderheit ist (Ausnahme Vögel). Eine soziale Monogamie erscheint an dieser Stelle insgesamt wahrscheinlicher. Folgt man diesen Modellen so wäre im Chinchilla Familienverband zumindest für die Zeit der Brunst denkbar, daß das Leittier-Weibchen ein bestimmtes Böckchen zur Paarung bevorzugt. Da Chinchillas in sozialen Verbänden und teilweise auf engem Raum leben, wo sich mehrere Chinchilla Familien einen Unterschlupf teilen ( TEIL 1 > Natur > Fauna und Unterschlupf ), sind neben dem bevorzugten Böckchen auch noch andere Böckchen in der Gruppe, die keinen Fortpflanzungsanspruch erheben (oder erfolglos probieren), oder migrieren. Dem Deck-Böckchen des dominanten Weibchens kommt im Kreis der männlichen Belegschaft insofern eine herausragende Stellung für eine begrenzte Zeit zu, die die Bezeichnung Alpha-Böckchen rechtfertigen könnte.
Leittier Weibchen versus Alpha-Böckchen
Wichtig: Eine Alfa-Böckchen ist das ersten Böckchen unter allen männlichen Gruppentieren. Es ist nicht automatisch auch das Leittier im Familienverband. Wie wir gesehen haben ( TEIL 1 -> Sozialsystem ) ist es bei Chinchillas nahe liegend und weitestgehend auch so beobachtet, daß ein Weibchen die Funktion eines Leittieres einnimmt. Damit ist sie das Alpha-Tier im gesamten Familienverband. In dieser Position steht sie ÜBER dem Alpha-Böckchen.
Ob und inwieweit dies bei Chinchillas der Fall ist, daß es Alpha-Böckchen gibt, ist nicht hinreichend überliefert. Es hängt auch bestimmt von der Überlebenssituation ab, wie wir bereits in TEIL 1 > Sozialsystem > Zusammenfassung gesehen haben. Eine bedrohte Tierart zeigt verändertes, angepaßtes Verhalten, um das Überleben der Art zu sichern. Monogamie wäre hier ein Luxus. Eine Tierart unter normalen Umständen und ohne vitale Bedrohungslage fürs Überleben zeigt uns jedoch jene Verhaltensmuster, die wir als den Normalfall betrachten müssen.
Für die richtige Beurteilung und das Management von Rangverhältnissen und phasenweises Ungleichgewicht, muss der Halter erst einmal in der Lage sein die Rangordnung in der Gruppe richtig beurteilen zu können. Das ist nicht immer einfach, denn wie wir im Kapitel -> Domestikation I gesehen haben findet durch Massentierhaltung und Domestikation manchmal gar keine klare Hierarchie Bildung mehr statt. Die Sache wird noch komplexer, wenn man berücksichtigt, daß die Dominanz sich in den unterschiedlichen Funktionskreisen variieren kann. D.h. ein Chinchilla darf der Boss im Sandbad sein ist aber deshalb nicht zwangsläufig das Leittier der Gruppe. Am Anfang steht hier deshalb eine kleine Anleitung, oder besser gesagt eine Chance wie absolut Jeder, die Rangordnung der Gruppe ultimativ bestimmen kann. Eine zweite Variante wird vorgestellt werden, die allerdings schon ein bisschen ein geübteres Auge erfordert.
Wer ist der Chef / Boss / tonangebende Chinchilla ??? ... ganz einfach! 
Das Leittier zeichnet sich dadurch aus, daß es sich in den Momenten durchsetzt, in denen es wirklich wichtig ist. Das betrifft vitale Lebenssituationen.Es kommt auch in den besten Haltungen vor und jeder kennt es: der Schreck, wenn man als Halter feststellt, daß die Wasserflasche leer oder verstopft war. Die Chinchillas prüfen bereits immer wieder die Flasche und haben offensichtlich Durst. Der Zugang zum Trinkwasser wird zum vitalen Bedürfnis. Das ist natürlich keine schöne Situation, aber auch hieraus läßt sich vieles Lernen. Was das Verhalten betrifft, so kann jeder Anfänger und Neuling in der Chinchilla Haltung in dieser Situation ganz leicht das Leittier erkennen. Es ist das Chinchilla, das als erstes seinen Platz an der Wasserflasche für sich beansprucht. Und diesen Platz auch nicht freigibt und sich nicht abdrängen läßt von anderen Chinchillas, bis es hinreichend seinen Durst erst mal ganz egoistisch gestillt hat. Die anderen Tiere folgen je nach Platz in der Hierarchie in ihrer Gruppe.So einfach!
Mehr zum Thema Leittier und Alfatier:
> www.chinchilla-verhalten.de > TEIL 1 > Sozialsystem > Leittier
> www.chinchilla-verhalten.de > TEIL 2 > Rangordnung
AUSGLEICH UND BALANCE IN DER CHINCHILLA GRUPPE von Claudia A Mooser |
Es gibt viele Theorien darüber, ob und inwieweit sich eine Tierhalter als Alpha-Tier positionieren kann und sollte. Ich bin zu dem Schluß gelangt, daß Chinchillas den Halter soweit als solches akzeptieren sollten, oder ihn/sie zumindest in dem Glauben lassen. Chinchillas sind so schlau! :-) Im Ernst, es ist wichtig als Halter in kritischen Situationen die oberste Autorität zu haben, v.a. wenn es um die Unterbrechung von Stimmungsübertragung und Aggressionswelle bei Chinchillas geht. Kein Chinchilla Leittier kann in einem begrenzten Raum in menschlicher Haltung eine Aggression so unterbrechen. Anders der Mensch als artfremdes Wesen. Vorausgesetzt er/sie kennt die richtigen Signale und hat den Respekt der Tiere (verdient über Vertrauen und gute Haltung. Nicht über Zwang).
Der Chinchilla Halter sollte sich v.a. bei einer grossen Hobbyhaltung als Alphatier etablieren.
So kann er in kritischen Situationen wie Vergesellschaftung, Streit, Aggressionswelle, etc. effektiv und zeitschnell eingreifen und wichtige Grenzen festlegen bevor sie zur Gefahr für die Tiere selbst werden.
Führung durch Zwang oder Vertrauen?!
Es gibt verschiedenen Wege dies zu tun. Einmal über Zwang, Bestrafung und Machtausübung. Wie wir bereits in anderen Kapitel gesehen haben, ist der Mensch dem Chinchilla körperlich überlegen. Er kann es z.B. am Schwanz fassen und fixieren. In dieser Stellung ist jede Flucht für das arttypische Fluchttier Chinchilla unmöglich. Das ist nichts anderes als physische Macht ausüben.
Es gibt aber auch den anderen Weg, der viel länger dauert, über Respekt und Geduld, gute Haltung und Vertrauen. Auf CV und allen CI Projekten steht immer dieser Weg im Vordergrund. Mehr dazu im Kapitel Zahmheit und wie man die Sozialisation von halb-domestizierten Wildtieren wie unseren Chinchilla Schritt für Schritt fördern kann.
Weitere Information: → Zahmheit (Kapitel III. Domestikation zum Heimtier)