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IN DER CHINCHILLA PRAXIS SOZIALVERHALTEN Erfahrungsberichte
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Wir beginnen hier ausnahmsweise mal mitten in der Praxis, um zu zeigen was für super Arbeit unsere Chinmamis und -Familien jeden Tag leisten bei der Aufzucht ihres Nachwuches. Manchmal kann allerdings auch in den besten Familien etwas schiefgehen, wie das folgende Beispiel zeigt. Hier ein Chinmami mit zwei Babies, das eine säugt gerade, das andere ist bereits eingeschlafen - dummerweise am Rande des Sitzbrettes und es entspannt sich immer mehr. Also was tut man als gute Multi-Tasking Chinchillamami? Man säugt das eine Baby und hält das andere mit dem Pfötchen...
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Das Problem ist nur, die kleine Nuggelmaus hat einen Riesendurst während das Geschwisterchen sich immer mehr im Schlaf entspannt.
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... und es kam wie's kommen mußte. Plop! Der kleine Chinchilla Mausezwack plumpste in ein grosses Einstreu Becken (andernfalls hätten wir sofort eingegriffen und nicht fotografiert). Die Chinmami guckte mit grossen Augen nach unten! Aber kleine Chinbabies sind bekanntlich hart im Nehmen. Die kleine Flauschmaus guckte verdutzt, ob des rüden Aufwachens aus den süssen Träumen, schüttelte sich und strich sich die Barthärchen wieder glatt. Und dann ging's ganz flott zurück nach oben aufs Sitzbrett zu Chinmami. Näschenreiben ... ja, ja, alles OK. Chinmami kontrollierte und putzte alle Baby-Einzelteile und lies die kleine Maus zufrieden und beruhigt wieder unter ihren Bauch krabbeln. Eben eine Multi-tasking Chinmami, die ein erfolgreiches kleines Chinchilla Familien-Unternehmen führt.
Nestbauverhalten ist ein Bestandteil des Bauverhaltens bei Tieren und findet sich vor allem bei Vögeln und Säugetieren.
NESTBAUVERHALTEN
- Säuger bauen → Schlafnester und können diese zum Wurfnest ausbauen.
- Nestbauverhalten ist angeboren. und wird nur noch geringfügig durch Lernen vervollkommnet.
- Die Bereitschaft zum Nestbau wird überwiegend hormonell gesteuert
Nestbauverhalten besteht u.a. aus der Nistplatzwahl (beim Chinchilla am Boden in einer geschützten Ecke). Die Suchbilder sind angeboren und dienen dem Schutz vor artspezifischen Feinden, Niederschlägen, usw.Verschiedene Formen von Nestern:
- das einfachste Nest ist eine flach, ausgescharrtel oder ausgedrehte Bodenmulde
- andere Bodenbrüter (z.B. Chinchillas) erhöhen Nestrand der Mulde durch Pflanzen- und Erdmateri

Aus den Anfängen der modernen Chinchilla Zucht in Freilandgehegen weiß man, daß sich Chinchillas auch Nester anlegen. Hier ein Foto Dokument aus der Fachzeitschrift CHINCHILLA POST (1956-2002), seit 2007 Online.
Beobachtungen - Erfahrungen aus der Heimtierhaltung.
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Chinchilla Babies finden unter dem Körper der Elterntiere Schutz und Wärme. Darüber hinaus spüren sie auch unmittelbar den Rhythmus des Körpers der erwachsenen Tiere und damit jede Reaktion auf die Umgebung inklusive dem Herzschlag der Chinmami. Meine Chinchillas reagieren bei meiner Nähe mit verlangsamten, ruhigen Herzfrequenz, und in der Obhut eines andern Menschen bei meinem Verlassen des Zimmers mit einer schlagartig erhöhten Herzfrequenz. Für die Domestikation und Zähmung von Chinchillas ist es daher sehr wichtig bereits die Elterntiere, v.a. die Chinchillamamis zu sozialisieren und mit ihnen eine Vertrauensbasis aufzubauen. Ist dies vorhanden, dann merkt das Chinbaby bereits als kleines Geschöpf unter dem Körper seiner Mutter, daß die Annäherung eines Menschen mit Gelassenheit (ruhiger Herzschlag) und nicht mit Stress (erhöhte Herzfrequnenz) begegnet wird. Das ist ein wichtiger Faktor für die weiteres Sozialisation des Jungtieres zum Heimtier.
Bis auf wenige Ausnahmen (die ich auch als Halter respektiere!), lassen mich meine Chinchillafamilien während dem Familienkuscheln meine Hand unter die Bäuchlein einschieben. Meine Hand wird von den Chinchillas dann bereitwillig integriert in den "Chinchilla-Kuschel-Haufen". Ich empfinde dies jedesmal wieder als ein Geschenk und Privileg. In der Tat ist dies nichts Selbstverständliches, sondern das Ergebnis von langer Arbeit, Geduld, Zeit und Vertrauen. Wichtig ist zu wissen: Man muss VOR der Geburt ein Vertrauensverhältnis zu den erwachsenen Zuchttieren aufbauen, daß diesen intensiven Körperkontakt ermöglicht. Nach der Geburt ist der Beschützerinstinkt für die Nachbrut eines jeden Elterntieres natürlich erhöht. In dieser Phase richtet sich die ganze Konzentration auf den Schutz des Nachwuchses.
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Chinchilla Babies werden von den älteren Tieren in der Schlafgruppe immer in die Mitte genommen. Das dient der Fürsorge (Wärme) und dem Schutz, denn die Mitte ist der sicherste Platz. Es hat aber auch die Funktion, wie wir in Bild 1 (links) sehr gut erkennen können, daß der Nachwuchs davor geschützt wird runterzufallen oder abzurutschen. Das ist sicher noch ein instinktives Verhalten der Alttiere zumal in der Natur keine ebenen Sitzbretter vorkommen, sondern der natürliche Untergrund gerade in den hohen Gebirgslagen einem Gefälle unterliegt.
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Während das Chinbaby säugt reinigt und stimuliert die Chinchillamami die Analregion. Das sorgt für Hygiene und eine gute Verdauung.
BRUTPFLEGE = Nachwuchspflege, Jungenaufzucht
bezeichnet alle elterliche Verhaltensweisen, die der Entwicklung des eigenen Nachwuchses zugute kommen und deren Fitness maximieren. Es betrifft die Eltern-Nachwuchs-Beziehungen. Wichtige Elemente:
- Beschützen
- Wärmen
- Füttern
- Reinigen
Man unterscheidet folgende Formen
- Mütterliche Brutpflege = die häufigste Form, wenn nur ein Geschlecht beteiligt ist
- Gemeinsame Brutpflege = Weibchen und Böckchen
- Kooperative Brutpflege = Mithilfe anderer Artgenossen
- keine Brutpflege (z.B. meist Reptilien)
Und von der Pflege → zur Fürsorge
BRUTFÜRSORGE = Brutvorsorge, Nachwuchsvorsorge, Nachwuchsfürsorge
ist ein Investment in den Nachwuchs und umfaßt alle Handlungen VOR der Eiablage oder der Geburt der Jungen. Wichtige Elemente im Verhalten der Chinchilla:
- Wahl eines geeigneten Brutplatzes (Temperatur, Feuchtebedingungen, Schutz, Nahrungspflanzen)
- Nestbau
- Aufsuchen des Geburtsortes
- Schaffen von Schutzeinrichtungen
- Anlage von Nahrungsvorräten
Das Chinchillaweibchen wurde in den Schlaf- und Ruhephasen von beiden Böckchen gewärmt. Zu beobachten war häufig, daß das Chinweibchen in der Mitte der beiden Böckchen lag. Böckchen Nr. 2 legte sich dabei nie über sie, sondern immer nur parallel zu ihrem Körper. Das dominante Böckchen deckte irgendwann das Weibchen. Auch danach ändert sich am Pflegeverhalten und gemeinsamen Wärmen und Kuscheln in der Gruppe nichts.
Nach der Geburt der Babies reagierte ausschließlich das dominante Böckchen auf die hormonellen Signale, die ein Nachdecken bei Chinchillas innerhalb der ersten 48 Stunden nach Geburt besonders "fruchtbar" machen. Das dominante Böckchen suchte ständig den Kontakt zum Weibchen unten auf dem Käfigboden und im Unterschlupf, wo sie kurz davor zwei gesunde Babies geboren hatte. Böckchen Nr 2 zog sich unterdessen auf ein oberes Sitzbrett zurück und verhielt sich völlig unbeteiligt.
Zusammenfassung: Sowohl Balzverhalten, gemeinsame Ruhephasen wie auch Post-Natale Verhalten in dieser Gruppe lief völlig geordnet ab. Während der gesamten Zeit des Zusammenlebens war nicht ein einziges Mal ein aggressives Verhalten aufgrund dieser Gruppenkonstellation zu beobachten. Voraussetzung scheint allerdings zu sein, daß die Rangordnung zwischen den Böckchen vorab eindeutig festgelegt und gefestigt ist. Eine erneute Hinterfragung der Ranordnung war zu keinem Zeitpunkt zu beobachten.
BEISPIEL 2 : AUFZUCHT UND BRUTPFLEGE
Die Rolle der Böckchen
Nach der Geburt gehen vom Chinchillaweibchen unwiderstehliche Düfte aus, die das Chinchillaböckchen zu einem unmittelbaren Nachdecken animieren. Die Arterhaltung erfolgt bei Tiere wie Chinchillas über die große Anzahl. Der Drang zum Nachdecken ist in der Natur verankert und sichert das Überleben der Art. Manche Weibchen verjagen das Böckchen unmittelbar nach der Geburt. Die Ursachen hierfür liegen auf der Hand : Verletzungen durch Geburt oder die Strapazen von führeren unmittelbar aufeinander folgenden Geburten, oder unerfahrene Böckchen in der Brutpflege werden vom Weibchen verjagt. Das schließt allerdings nicht aus, daß sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommen und sich auch erneut mit dem Weibchen decken können. In dem Fall hätten wir sogar eine sog. lebenslange Monogamie.
Chinchillaväter übernehmen eine unterschiedlich aktive Rolle in der Brutpflege:
In CHINCITTA wurde ein unmittelbares Nachdecken aufgrund der körperlichen Doppelbelastung für das Chinweibchen nach Möglichkeit unterbunden. Das Chinböckchen wurden zeitig auf sanfte Weise vom Weibchen entwöhnt bzw. in spezielle Käfigkonstruktionen (Doppelapartments) mit Sicht- Hör- Geruchskontakt gewöhnt. Damit die Chinweibchen gerade bei ihrem ersten Wurf nicht völlig allein sind, wurde in CHINCITTA die Aufzucht und Brutpflege mithilfe anderer Weibchen. Entweder die Tochter aus dem vorangegangen Wurf (ohne eigenen Nachwuchs) oder am häufigsten mit Hilfe der besten Freundin des Chinchillaweibchens, d.h. über sog. TANTEN, Das bezieht sich nicht auf den Verwandschaftsgrad der Weibchen, sondern auf die psychologische Nähe.
In dem Fall ist zu beobachten, daß sich die "Tante" genauso verhält wie das Böckchen Nr. 2 im oberen Fall. Während und für 1-2 Tage nach der Geburt zieht sich die Tante auf das obere Sitzbrett zurück. Es findet zwischendrin nur ein kurzer Informationsaustausch der beiden erwachsenen Weibchen statt (Näschenreiben), ansonsten bleibt es zunächst bei einer freiwilligen räumlichen Distanz ( -> größere Individualdistanz). Die Chinmutter und ihr Nachwuchs bleiben ungestört am Boden - dem Geburtsnest und Unterschlupf. Erst am 2. Tag nimmt die Tante intensiven Kontakt auch mit dem Nachwuchs auf. Sie übernimmt weitgehende Funktionen in der Brutpflege wie Wärmen, auf obere Bretter helfen, und die Aufsicht in der Abwesehenheit der Chinchillamutter (z.B. wenn diese sich zum Ausruhen auf eines der oberen Bretter zurück zieht.
Die Rolle der Töchter (ohne eigenen Nachwuchs)
Töchter, die keinen eigenen Nachwuchs haben übernehmen bereits früher eine aktive Rolle in der Geburtspflege. Sie kuscheln bereits als gewohnter Bestandteil der Familie am ersten Tag mit Chinchillamutter und Nachwuchs gemeinsam im Geburtsnest und Unterschlupf der Familie auf dem Boden des Chinchilla Käfigs.
Chintöchter übernehmen in meiner Beobachtung bereits vom ersten Tag an eine stellvertreter Rolle für die Chinchilla Mutter und haben damit einen vitalen Anteil an der Brutpflege. Dabei findet ihrerseits ein immenser Lernprozeß und Training statt, das sie - sollten sie einmal eigenen Nachwuchs haben - bereits von Anfang an zu einem kompetenteren Start verhilft. Eine Beteiligung an der Brutpflege durch die Töchter hilft nicht nur Nachwuchs und Chinmutter, es ist darüber hinaus auch ein wichtiger Bestandteil in deren eigener Entwicklung, Vorbereitung auf eigene zukünftige Mutterfunktionen, die Sozialisierung ( -> Tradition). 'Solche Chintöchter werden phantastische eigene Chinmütter und erleben den ersten Nachwuchs mit viel mehr Gelassenheit, Knowhow und Kompetenz.
VORSICHT:
die oben geschilderte KOOPERATIVE Brutpflege unter Weibchen gilt nur für Chinchillatöchter, die noch keinen eigenen Nachwuchs gehabt haben. Mit eigenem Nachwuchs ändert sich das Revierverhalten, Dominanzansprüche und Rangordnung, ebenso wie Individualdistanz. Ist der Raum zu klein werden die Tiere verjagt oder es kommt zu ernsten Kämpfen. In der Hobbyzucht, wo kein großer Raum zum Ausweichen und für die Gründung eines eigenen Familienverbandes in einem Käfig zur Verfügung steht, können diese Kämpfe auch tödlich enden.
Mehr dazu unter www.chinchilla-verhalten.de > TEIL 3 > FAQ und HILFE