CHINCHILLA VERHALTEN und SOZIALVERHALTEN

www.chinchilla-wissen.com www.chinchilla-verhalten.de

DIE HEIMAT DER WILDEN CHINCHILLAS



Chinchilla Verhalten in der Wildnis - darüber gibt es in der Fachliteratur (teils nur schwer zugänglich) eine Reihe von Aussagen und Berichte. Ebenso wichtig sind die Umweltfaktoren im natürlichen Lebensraum, Verbreitungsgebiet, Klima, Höhenlagen, Flora & Fauna, usw. als generelle Rahmenbedingungen für Prägung und Anpassung. Auf diese Faktoren werfen wir einen Blick in diesem Kapitel "Natur".   

LEBENSRAUM - HABITAT

In der Wildnis gibt es zwei Chinchilla Arten ( species ):

  • Langschwanz-Chinchillas = Lanigera ( long-tailed chinchilla )
  • Kurzschwanz-Chinchillas = Brevicaudata ( short-tailed chinchilla )
    Hier werden die Lebensräume BEIDER Arten dargestellt.

  

Chinchillas haben ihr Zuhause in den Anden in Südamerika. Ihr natürlicher Lebensraum erstreckt sich über Peru, Bolivien, Chile und Argentinien.Chinchillas sind nachtaktive Nagetiere. Ihre nächsten Verwandten sind Meerschweinchen, Degu, Viscacha, Wasserschwein und das südafrikanische Stachelschwein.

Chinchilla lanigera = Langschwanz-Chinchillas = die Vorfahren unserer heutigen Heimtier-Chinchillas leben in einer Höhe von 1000 bis 2500 Meter (die Illustration weicht von diesen Zahlen ab. Sie zeigt dafür aber sehr gut die Vegetationsstufen in den Höhenlagen der Anden)

Chinchilla Brevicaudata = Kurzschwanz-Chinchillas leben in weitaus höheren Regionen zwischen 3500 - 4500 Meter über dem Meeresspiegel. Entsprechend anders auch ihr Stoffwechsel (langsamer), Nahrungsangebot, Anpassung. Alle Versuche Brevicaudatas in unseren Breitengraden zu Züchten scheiterten auf lange Sicht. 

Weitere Infos zum Thema :

CHINCHILLA UMWELT - KLIMA

 

   

DIE UMWELT

Die natürliche Heimat unserer Chinchillas sind vorwiegend karge, vegetationsarme Felsregionen in den Hochebenen der Anden. Bemerkenswert ist vor allem die relative Trockenheit des Klimas. Sie beeinflusste die Prägung der Chinchillas von Trinkverhalten bis hin zu Fellstruktur.

DAS KLIMA

Das Klima in diesen Regionen ist vorwiegend trocken mediterran bis wüstenartig. So gibt es aus dem Nationalen Chinchilla Reservat in Chile Berichte, daß es ein paar Jahre in Folge dort überhaupt nicht geregnet hat. Normalerweise gibt es dort 1-2 Schauer / pro Jahr. Zudem ist das Klima von großen Gegensätzen (Tag/Nacht) geprägt:

  • trockene bis wüstenähnliche Hochebenen der Anden
  • geringe Luftfeuchtigkeit
  • wenig Niederschlag - nur 200 mm pro Jahr (in D ca. 500 - 800 mm pro Jahr) 
  • Niederschlag im Jahr in den Wintermonaten Mai-August (-> südlichen Welthalbkugel) 
  • Intensive Regenschauer meist um die Mittagszeit
  • Temperaturen zwischen - 20 Grad C in der Nacht bis + 35 Grad Celsius am Tag 
  • Temperaturschwankungen von bis zu 30 Grad Celsius innerhalb von 24 Stunden

=> Chinchillas als nachtaktive Tiere bekommen von Tageshitze, sowie Niederschlag, Regen, Feuchtigkeit so gut wie nichts ab.
So sind sie auch angepasst. Das Fell der Chinchillas bietet einen hervorragenden Schutz vor Kälte, ist aber nicht wasserabweisend.

FLORA - NAHRUNG - BEHAUSUNG - WASSER

© Claudia A Mooser

  

DIE FLORA UND PFLANZENWELT

Die natürliche Heimat unserer Chinchillas sind vorwiegend karge, vegetationsarme Felsregionen in den Hochebenen der Anden. 
Entsprechend ist auch ihr Nahrungsangebot und das Suchverhalten der Chinchillas. Und darauf ist auch ihr gesamter Magen-Darm-Trakt angepasst. Chinchillas sind in erster Linien Pflanzenfresser. Sie ernähren sich in der Wildnis von Wurzeln, Samen, Blätter, Stängel, Rinden, Sträucher, Blüten, trockenen Gräsern, Kakteen und Sukkulenten, Insekten, und ebenfalls in der Fachliteratur erwähnt: Vogeleier. Für ihre Nahrung und Tagesbedarf müssen sie oft stundenlang suchen und dürfen nichts übersehen ( -> Probebiss ).

Zurück zur StartseiteNach oben

WASSER UND TRINKQUELLEN UNSERER CHINCHILLAS

Die großen Temperaturunterschiede zwischen Nacht und Tag verursachen jede Menge Tau in den Morgenstunden. So beziehen Chinchilla einen Großteil ihres Ihren täglichen Wasserbedarf :

  • vom morgendlichen Tau der Blätter (= frei von Schadstoffen, unbelastet) 
  • und der Unterseite von Kakteen und Sukkulenten (= reich an Vitaminen und Mineralien).
  • Ausserdem besteht fast die gesamte Nahrung, die das Chinchilla frißt aus frischem Schnitt ("fresh cut", Chins grasen oder pflücken es unmittelbar selbst). Und jede lebende Flora enthält Feuchtigkeit.
Wildlebende Chinchillas kommen allerdings durchschnittlich mit weniger Wasser aus, als Chinchillas in Gehegehaltung. Dieser sparsame Wasserhaushalt führte bei den indianischen Ureinwohner sogar zu der Annahme, daß Chinchillas gänzlich ohne Wasser leben können.  Das rührt daher, daß sie Chinchillas einfach nie beim Trinken beobachten konnten. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, daß diese Annahmen gar nicht so falsch sind. Die Flüssigkeit, die Chinchillas über die Pflanzen beziehen ist rein und reich an Mineralstoffen.

Zurück zur StartseiteNach oben

BODEN UND UNTERGRUND : CHINCHILLA SANDBAD UND NEST

Der Boden zeigt eine unterschiedliche Zusammensetzung, je nach Region: Einige Berge sind recht steinig und felsig und weisen einen dunkeren Sand auf. Andere besitzen einen weitaus helleren, gelblichen, sandigeren Boden. In dem meisten Gebieten der Chinchilla laniger ist es Urgestein und an vielen Stellen vulkanischer Staub.

  • Urgestein, v.a. im Gebiet des Chacaltaya bei La Paz (ca. 5000 m ü.d.M.)
  • Urgestein, v.a. in der Lagune von Tumari 
  • Vulkanischer Ursprung, v.a. in der Weskordillere (Bolivien, ca. 3800-4000 m)

Aus diesem Grund geben Chinchilla Züchter in Übersee und Europa noch heute den teuren BLUE CLOUD, und Sand von MOUNT ST. HELEN pur oder als Zusatz zum Badesubstrat für Chinchillas. Beides ist Feinstaub, gewonnen von vulkanischem Gestein.


Sandbadeplatz wildlebender Chinchillas. Hier ein Fotodokument aus der Fachzeitschrift CHINCHILLA POST (1956-2002) aus dem National Reservat in Chile. Mehr zum Thema Bodennutzung für Nest und Nestbau von Chinchillas (inkl. Foto) siehe -> Brutpflege (in Kapitel 2)

Zurück zur StartseiteNach oben

CHINCHILLA BEHAUSUNG UND UNTERSCHLUPF

Chinchillas sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere und als Fluchttiere von Natur aus zunächst scheue Tiere. Am Tag leben sie zwischen Fellsspalten, Höhlen, Erdlöchern, und unter dichtem Gestrüpp. Chinchillas haben in ihrem Unterschlupf immer mehrere Fluchtwege und Ausgänge.Aus Studien in denen wildlebende Chinchillas mit elektronischen Bewegungsmeldern ausgestattet wurden, weiß man, daß die Tiere ihren Unterschlupf mehrmals am Tag verlassen, hauptsächlich für kurze Zeit am Abend und am Morgen. Ein einzelnes Tier entfernte sich maximal 250 Meter von seinem Bau. Eine typische Chinchillabehausung:

  • eine Gruppe von Pflanzen und Büschen
  • Gesteinsformation mit Unterschlüpfen
  • Erdhöhlen, die von anderen Tieren angelegt und verlassen wurden
  

Die Beobachtungen von Chinchilla Zucht Präsidenten vor Ort in Chile zusammen mit anderen Fachleuten legten nahe, daß Chinchillas bevorzugt die Pflanzenbehausung wählten. Der auf dem Bild gezeigte Pflanzenbau wird "chagualo chardon" genannt ( Puya Bertoriana). Jeder Bau oder "Höhle" hat:

  • sechs oder mehr Zugänge
  • keiner dieser Zugänge führt auf direktem Weg in das Zentrum der Behausung.
    So sind die Tiere vor eindringenden Fressfeinden, insbesondere der Nachwuchs, zusätzlich geschützt. 
  • die Behausungen haben einen Durchmesser von 6 bis 12 Metern
  • wobei auch mehr als eine Chinchilla Familie im selben Bau lebt
  • die Zugänge haben einen Durchmesser von rund 12-13 cm
  • trotz des dichten Pflanzenwuchses dringt auch ein wenig Tageslicht hindurch und eine genügende Belüftung 
DIE LICHTVERHÄLTNISSE IN DER BEHAUSUNG
  • auch durch den dichten Pflanzenwuchs dringt ein wenig Tageslicht hindurch
  • viel Mondlicht in den sternenklaren Nächten
  • rundum natürlicher Lichtzyklus

CHINCHILLA - FAUNA - NATÜRLICHE FEINDE

Chinchillas sind Fluchttiere. Und ihre Feinden lauern überall : in der Luft, am Boden, zwischen Felsspalten...

  • Greifvögel: Adler, Eulen
  • Raubtiere: Füchse, Wiesel (Letztere wurden von den Ureinwohnern auch zur Jagd von Chinchillas eingesetzt)
  • Schlangen

Chinchillas haben zu ihrer Verteidigung v.a. drei Strategien:

  • Verstecken
  • Laufen: Schnelligkeit, Wendigkeit, Sprungkraft
  • Fell Abwerfen

UNSER TIPP FÜR DIE HEIMTIERHALTUNG

Zur Ernährung und Pflege:

Zu Käfig, Haltung und Eingewöhnung:

  • immer eine feste Deckplatte oben auf den Käfig. Selbst kleine Schatten von oben können Chinchillas sehr erschrecken.
  • Käfig nicht direkt auf den Boden stellen, sondern in einer Höhe so daß das Chinchilla zumindest auf dem obersten Sitzbrett höher als der Halter ist

Zum Raumklima und Temperaturen

  • Chinchillas sind ziemlich tolerant gegenüber Kälte. Aber sehr empfindlich gegenüber Hitze. Im Sommer besteht eine akute Hitzschlag Gefahr.
  • Temperatur kontrollieren. Optimal sind Temperaturen zwischen 18-22 Grad Celsius. 
  • Frühzeitig eine Klimaanlage für den Sommer anschaffen.

Chinchillas sind insgesamt erstaunlich anpassungfähig und zäh. Sie reagieren jedoch sehr empfindlich auf Veränderungen in ihrem MIKROKLIMA, v.a. im Hinblick auf Temperatur (Hitze) und Luftfeuchtigkeit. Ein konstantes Raumklima (moderate Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit) fördert Wohlbefinden und Gesundheit von Chinchillas. 

Weitere Infos zum Thema :

Zurück zur StartseiteNach oben

CHINCHILLA VORKOMMEN IN DER WILDNIS

Chinchillas sind gesellige Tiere. Sie bilden Herden von mehreren 100 Tieren, die das ganze Jahr über aktiv sind. Mit zunehmender Ausrottung verkleinerten sich natürlich auch die Herden.

In frühen Reiseberichten aus Südamerika wird erzählt, daß an manchen Stellen die Berghänge von Chinchillas dicht bevölkert waren. Und schon damals waren Chinchillas so neugierig, daß die Reisenden sie beobachten konnten. Es soll sogar Dörfer in den Anden gegeben haben, um die eine große Anzahl von Chinchillas mit den Menschen eng zusammengelebt haben. 

Chinchillas sind offensichtlich auch nicht kontaktscheu, was anderen Nagetierarten anbelangt. So graben sie selbst zwar keine Erdhöhlen, leben und ziehen jedoch auch in solche ein, wenn sie von anderen Tieren verlassen wurden. 

CHINCHILLAS - BEDROHTE TIERART - ENDANGERED SPECIES

Offizieller IUCN Status von Chinchillas als bedrohte Tierart

Faktoren der Minimierung der Wildbestände:

  • Pelzmarkt
  • Vernichtung des natürlichen Lebensraumes
  • Klimawandel

Die Zucht von Pelztieren in Farmanlagen begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika und breitete sich in den Anfangsjahren des 20. Jhd. auch nach Europa hin aus. Die moderne Chinchillazucht in großen Pelztierfarmen begann in den 1920er Jahren in Kalifornien, USA. Diese basierte vor allem auf 13 Exemplaren, die 1927 von Chapman aus Chile in die USA gebracht wurden. Anfang der 1950er begann die Pelztierzucht von Chinchillas auch in Europa in größeren Dimensionen. 

Aktuell findet der Hauptanteil der Pelztierzucht in Nordeuropa (64%) und Nordamerika (11%) statt. Doch auch Ungarn produziert 40,000 Chinchilla Felle jährlich, das sind rund 20-25% der Weltproduktion. Der Anteil der Zuchten am Weltmarkt steigt rapide an in den ehemaligen Ostblockstaaten und in China. 

Während die Zahl der Chinchillas in der Pelztierzucht gegen Ende des 21. Jahrhunderts kontinuierlich anstieg - waren die Chinchillas in der freien Wildbahn fast ausgestorben.

CHINCHILLA RESERVAT IN CHILE

Bereits die Ureinwohner Südamerikas jagten Chinchillas wegen ihrem Fell und Fleisch. Aber erst die Pelztierjagd durch die Europäer von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts führte zur beinahe vollständigen Ausrottung der Wildbestände. 

Bis 1975 ging man sogar von der kompletten Ausrottung aus. Dann wurden wie durch ein Wunder einige Kolonien in der freien Wildbahn entdeckt.
1983 wurde in Chile, nahe dem Ort Illapel, ein rund 4500 Hektar großes Reservat für Chinchillas - Reserva Nacional Las Chinchillas - zum Schutz der wildlebenden Exemplare eingerichtet. 

CHINCHILLA NATIONAL RESERVAT IN CHILE

 Der ursprüngliche Lebensraum der Brevicaudata Chinchillas ( Kurzschwanz - Chinchilla )

Weitere Infos zum Thema:

Literatur zu wilde Chinchillas siehe HIER . Ausführliche Bibliography zur Website auf Anfrage.

Zurück zur StartseiteNach oben