CHINCHILLA VERHALTEN und SOZIALVERHALTEN

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CHINCHILLA KÖRPERSPRACHE - CHINCHILLA BODY LANGUAGE


Wir haben gesehen, daß die Anatomie den Chinchillas bestimmten Rahmenbedingungen für ihr Verhalten vorgibt. Um nun die Körpersprache der Chinchilla besser verstehen zu können, bedarf es zunächst einer Betrachtung der typischen Körperhaltungen beim Grundverhalten.

DEFINITION VON KÖRPERSPRACHE

DEFINITION

Körpersprache ist der Sammelbegriff für die Kommunikation ohne Worte (non-verbale Kommunikation). Sie ist Teil des sog. Ausdrucksverhaltens. Dazu zählen beim Chinchilla:

  • Körperhaltung
  • Gestik = Bewegung der Gliedmaßen
  • Mimik = Gesichtsausdruck

Die Körpersprache ist zum Großteil angeboren.

Die Körpersprache der Chinchilla kann uns Aussagen geben über den körperlichen, seelischen und emotionalen Zustand eines Tieres. Darüber hinaus auch über seine soziale Position in der Gruppe -> Rangordnung. Während beim Menschen die Körpersprache zur Verstärkung / Abschwächung der Sprache genutzt wird, spielt sie bei Tieren eine viel wichtigere und gleichberechtigte Rolle in der Verständigung. Als Universalie wird die Körpersprache auch von anderen Kulturen und Tierarten verstanden (z.B. Ablehnen, Wegsehen ).

 

 

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CHINCHILLA BEIM FRESSEN

  

TYPISCHE KÖRPERHALTUNGEN 

Das Chinchilla sitzt auf den Hinterbeinen. Es greift die Nahrung mit den Pfoten und führt sie zum Mäulchen. Erst dann beißt es in die Nahrung. Dieses Verhalten ist typisch für alle gröbere Nahrung, wie Stöckchen, getrocknete Beeren, Pellets, usw. Feinere Nahrung wie z.B. Gräser, etc. prüft das Chinchilla dagegen zuerst mit den Tasthaaren, Geruchssinn, und beißt dann direkt in Halme. Die Vorderpfötchen werden nur zu Hilfe genommen, wenn der ausgewählte Grashalm immer wieder entweicht. 

DAS FRESSVERHALTEN

Studien aus der Veterinärmedizin zum Fressverhalten, Nahrungs- und Trinkwasseraufnahme von Chinchillas in Heimtierhaltung  im Vergleich zu Zwergkaninchen und Meerschweinchen, haben deutliche Unterschiede bei den Chinchilla, sowohl im zeitlichen Rhythmus der Nahrungsaufnahme als auch in der Akzeptanz und Schmackhaftigkeit einzelner Futterbestandteile. Bei einem Angebot von Mischfutter, basierend auf natürlichen Komponenten, wählen Chinchillas gezielt die einzelnen Bestandteile mit der größten Schmackhaftigkeit, z.B. Johannisbrot, Rübenstoffe, und Sonnenblumenkerne. Chinchillas intensivieren außerdem ihre Nahrungsaufnahme in der Nacht. Die Hauptfutterzeit liegt zwischen 21:00 - 7:00 Uhr. Während dieser Zeit nehmen sie 70% ihres Tagesbedarfs an Futter zu sich. Entgegen der verbreiteter Ansichten brauchen Chinchillas länger für das Fressen von Pellets als für Heu. Chinchilla fressen Heu um das 3.6 fache schneller als Pellets.

TIPPS FÜR DIE HEIMTIERHALTUNG

  • Die Studien zu Chinchillas legen nahe, daß Chins mehr Rohfaser als bisher in der Nahrung haben sollten.
  • Hoher Rohfaser Anteil -> führt zu mehr Kauaktivität und einer längeren Fressaktivität. 
  • Rohfaser fördert den Zahnabrieb (positiv) -> verhindert ernährungsbedingte Zahnanomalien
  • Chinchillas müssen Nachts immer Zugang zu Futter haben (Hauptfutterzeit)
  • Heu als Hauptbestandteil der Ernährung, da ein Zuviel an herkömmlichen Mischfutter dazu führt, daß Chins weniger triinken

GRABEN - BUDDELN - SCHARREN

Graben ist eine Form der Fortbewegung und des Bauverhaltens in der Tierwelt. Man unterscheidet verschiedene Formen von Graben. Typisch für Nager, Kaninchen aber auch den Fuchs ist das sog. Scharr-Graben. Die Vorderbeine lockern den Boden, schieben ihn nach hinten unter den Bauch, und von dort wird er durch die Hinterbeine regelmäßig ausgeworfen. Nagetiere errichten so ihre Baue. Fester Untergrund, Wurzeln und andere Hindernisse werden mit den Zähnen bearbeitet.

Typische Situationen beim Wegscharren von Einstreu und Badesand bei Chinchillas in Heimtierhaltung:

  • wenn Chinchillas einen neuen Käfig beziehen und beginnen ihr neues Heim "einzurichten"
  • wenn Chinchillas ihren Käfig nach der wöchentlichen Reinigung wieder "in Ordnung" bringen
  • wenn zuviel Sand in der Sandwanne ist (typisches Verhalten v.a. bei Weibchen)
  • wenn Chinchillas "ausbrechen" wollen und Tunnel zu scharren versuchen
  • wenn Chinchilla Weibchen vor der Geburt mit dem Nestbau beginnen

In der Fachliteratur zum Chinchilla ist nichts vom Bau von Erdhöhlen durch Graben berichtet. Gesichert wissen wir nur, daß Chinchillas ihren Bau unter dichtem Gestrüpp und in Erdhöhlen beziehen, die von anderen Tieren angelegt und verlassen wurden. Dieses eingeschränkte Grabverhalten ist sicher auch mit der Anatomie zu erklären, daß Chinchillas keine Krallen und vergleichsweise kleine, zarte Vorderpfoten haben, die sich für intensives Graben weniger gut eignen. 

Eine weitere Form ist das sog. "Wühlen" bei Nagern, bei dem der Boden nur mit dem Kopf bei der Futtersuche durchgearbeitet wird. Ich konnte es jedoch bei Chinchillas bislang nicht als besonders typisches Verhalten zuordnen. Stattdessen ist das arttypische Verhalten das Grasen und der Probebiss. Das lässt sich auch dadurch erklären, daß Chinchillas ihre Nahrung in vielen Fällen erst mit den Vorderpfoten aufnehmen und so zum Mäulchen führen.

MEIN TIPP für die Liebhaberhaltung:

Nestbau und Scharren sind arttypisches, größtenteils angeborenes Verhalten. In einer artgerechten Haltung sollten Chinchillas daher die Möglichkeit dazu haben. z.B. mit dem entsprechenden Bodenbelag.

  • Der ideale Bodenbelag wäre wie in der Natur eine Mischung aus Urgestein, Erde, Lavasand und Geröll. Das Ganze auf einer freiläufigen Fläche mit entsprechender Sonnenbestrahlung (Desinfektion) und Luftzirkulation (Hygiene).
  • Die Heimtierhaltung sollte versuchen dies unter berücksichtigung des limitierten Raumes (beschränkte Sonneneinstrahlung, beschränkte Luftzirkulation) mit geeigneten Einstreu Varianten zu imitieren.
  • Käfige ohne Einstreu sind praktisch & kostengünstig für den Besitzer/In. Sie ermöglichen allerdings kein Scharrverhalten. Das arttypische Scharren wird zur Leerlaufhandlung. Über einen längeren Zeitraum führt das zu Frustration, das Verhalten wird nur noch seltener gezeigt (→  verkümmertes Verhaltensspektrum) bis hin zum Verlust arttypischen Verhaltens als Nachteil von Domestikation und Haltung in Gefangenschaft auf beschränktem Raum. Chinchillakäfige und Gehege ganz ohne (bewegliche) Einstreu stellen daher eine weniger artgerechte Haltung dar.

Die Fakten, Möglichkeiten und Grenzen wurden dargestellt. Es ist immer eine individuelle Entscheidung des Chinchilla Besitzers wo er den Schwerpunkt setzt, z.B. Kostenersparnis, Bequemlichkeit (einfache Reinigung), ... oder größtmöglicher Förderung von arttypischen Verhalten seiner Chinchillas auch in der Heimtierhaltung.


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