Chinchillas sind hochsoziale Tiere. Das wissen wir aus eigener Beobachtung oder spätestens seit den Ausführungen durch die Verhaltensforscherin Dr. med. vet. J. Bartl in ihren Studien zum Chinchilla. Und Chinchillas qualifizieren sich für die Zuordnung zu sog. "Kontakttieren" - wie übrigens viele Nager-, das reicht über die Beobachtung hinaus bis zu offiziellen Definitionen in der Verhaltensbiologie.
Und auch hier gleich wieder die Rückbesinnung auf unsere Ausgangsthese, die wir auch hier wiederum unmittelbar bestätigt finden:
= die Kontaktaufnahme zu anderen Chinchillas UND AUCH ZUM MENSCHEN
Es hat eine komplexere Bedeutung. Es dient der Erkennung (Hallo, Du auch hier), der Rückversicherung (z.B. dies oder jenes Geräusch bedeutet keine Gefahr), dem Informationsaustausch (hab was Neues entdeckt).
Meine Anouk praktiziert diese Form der Kommunikation auch mit mir. So kommt sie bei ihrem nächtlichen Freilauf immer wieder zu mir ins Bett für diesen kurzen Kontakt. Früher haben sich kurz unsere Näschen berührt. Mittlerweile tippe ich mit meinem Zeigefinger nur noch sanft auf ihr Näschen (dies hat für uns mittlerweile diesselbe Bedeutung). Dann düst sie wieder los.
= die Kontaktaufnahme zur Umgebung
Chinchillas erkunden neues Terrain in Kreisen. Sie gehen von einem vertrauen, sicheren Punkt aus. Dieser kann der Käfig, Käfigeingang oder auch der KÖRPER DES HALTERS sein. Von diesem sicheren Punkt aus erkunden sie in immer größeren Kreisen das unbekannte Umfeld. Zwischendrin kehren sie immer wieder zu ihrem sicheren Ausgangspunkt zurück. Erst danach wird der Erkundungskreis vergrößert.
Siehe hierzu auch das eigene Kapitel → Erkundungsverhalten
= die Kontaktaufnahme zum Menschen
Es ist ein sprichwörtliches Begreifen und sinnliches Abtasten, daß in der Datenerfassung über die rein optischen Merkmale weit hinausgeht. So werden die Augen geschnüffelt, die Wimpern sanft angelupft und vieles mehr. Danach hat das Chinchillas ein "Bild" vom Menschen. Dieses Verhalten erinnert mich immer stark an das Ertasten von blinden Menschen von einem neuen Gegenüber.
= die Kontaktaufnahme auf der Stufe von Pflege von anderen Arten und dem Menschen
Chinchillas sind sehr sensible, sinnliche Tiere. Sie pflegen sich indem sie sanft das Fell des anderen ordnen, Lider anlüpfen usw. Alles ganz sanft und liebevoll. Dieses Verhalten zeigen Chinchillas auch bei einem vertrauten Halter. Tut man die Hand in den Käfig, so wird häufig die Hand unter den Kopf und Rumpf geschoben. Dann beginnt ein sanftes Nibbeln an der Hand des Halters. Vergleichbar mit der "Fellpflege" bei Chinchillas untereinander. Die gegenseitige Reinigung bedeutet Zuneigung und Vertrauen. Es ist ein Akt der Liebkosung. Das Beknabbern der Handoberfläche oder der Augenbrauen, oder Wimpern ist ein soziales AKZEPTANZVERHALTEN. Es ist Pflege und Liebesbekundung.
Siehe hierzu auch die Ausführungen im Kapitel → Pflegeverhalten
©cam
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