Chinchillas wird im allgemeinen von Tierhaltern, Tierärzten und Forschern eine vergleichsweise hohe Intelligenz bestätigt. Woran kann man Intelligenz genauer festmachen? Die klassischen Modelle in der Verhaltensforschung bei Tieren beziehen sich z.B. auf Werkzeuggebrauch, zielgerichtete Koordination von verschiedenen Körperteilen zur Problemlösung, Erkennen von Kausalzusammenhänge, vorausschauende Planung, adaptive Trainingsleistungen, Gedächtnis, etc. Diese Modelle aus der Verhaltensforschung zu Tieren werden wir hier versuchen auf Chinchillas zu übertragen und mit NEUEN Modellen ergänzen, die von mir entwickelt wurden. Aber zunächst einmal die Theorie ...
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INTELLIGENZ
ist die kognitive (geistige) und psychische (seelische) Fähigkeit zu:
DIE MESSBAREN ASPEKTE
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Nach neueren Auffassungen spielt der Umwelteinfluss eine zentrale Bedeutung auf die Entwicklung der Intelligenz. Für unsere Chinchillas heißt dies, daß ein Leben in der freien Natur, versus Heimtierhalterkäfige und Großzuchtanlagen eine unterschiedliche Intelligenz begünstigen.
Siehe hierzu auch : Domestikation -> Veränderungen
Ein weiteres Indiz für ihre fortgeschrittene Intelligenz ist der Gebrauch ihrer Vorderpfötchen, z.B. bei der Nahrungsaufnahme. Mehr dazu hier: http://www.chinchilla-verhalten.de/Teil 1 Grundlagen -> Körperhaltungen Den Hinweis gab mir Dr. vet. med. Bartl. Sie beschäftigt sich privat und beruflich seit vielen Jahren mit dem Verhalten von Chinchillas. So weiß man aus der Forschung, daß Tiere, die ihre Vorderpfoten derart benutzen, eine größere Anzahl von Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn und Synapsen verfügen. Das wiederum ist ein Charakteristikum für höher ausgebildete Intelligenz.
Vergleicht man Chinchillas mit anderen Nagern, so fällt auch dem nicht-wissenschaftlich geschulten Beobachter schnell auf, daß sie ihre Vorderpfötchen fast menschlich anmutend benutzen, wie nur wenige andere Nager dies so ausgeprägt tun. Man denke nur daran, wie sie Pellets mit den Pfötchen aufnehmen, einen Probebiß machen und gegebenenfalls mit einer, für den Pellet-Bereitsteller, vernichtenden Geste beiseite werfen. So putzig dies aussieht, es ist zugleich nicht selbstverständlich, sondern etwas Besonderes im Verhalten von Tieren.
Meine Beobachtungen bei wiederholbaren Experimenten zur Fähigkeit von Problemlösungen, legen nahe, daß Chinchillas schlauer sind als so manches menschliche Wesen.Eines hat sicher jeder Chinchilla Liebhaber schon festgestellt - sag niemals nie bei Chinchillas. V.a. nicht, wenn es darum geht, daß sie irgendwo hinkommen können (oder nicht). Chinchillas können außerordentlich geschicklich und hartnäckig sein, wenn sie ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Darüber hinaus finden sie auch eine Vielfalt von Wegen und Modi um an ihr Ziel zu gelangen. Und dies innerhalb kürzester Zeit. Dies zeugt neben ihrer Geschicklichkeit und Findigkeit auch von Intelligenz.
Chinchillas können zudem Kausalzusammenhänge schnell und umfassend begreifen. Beispiel: Ich brachte zur Animation eine Aufhängung im Käfig an mit bunten Holzklötzen. Diese waren an einer Kette befestigt, die an der nächst höheren Käfigebene (Gitter) eingehängt war. Dieses Spielzeug war jedoch wie sich rausstellte, genau in der bevorzugten Laufbahn von einem meiner Chinchillas. Er hielt sich nicht lange damit auf, das hängende Spielzeug mit den Pfötchen beseite zu schieben. Stattdessen marschierte er zeilstrebig auf die nächsthöhere Ebene, wo das Spielzeug eingehängt war. Fand sofort die Stelle und hob mit seinen Zähnchen die Aufhängung aus der Verankerung. Mit sichtlich zufriedenem Blick beobachtete er das Spielzeug, wie es auf den Boden krachte. Ich wiederholte das Experiement noch 3 Mal, hängte das Spielzeug wieder ein und beobachtete das Chin. Die Reaktion war jedesmal gleich - das Chin sah das Spielzeug, ging zur nächsthöheren Ebene, hängte es aus und lies es so zu Boden krachen. Beim dritten Mal allerdings mit einem sichtlich genervten Gesichtsausdruck über die Dusseligkeit des Halters, der das Spielzeug immer wieder ignoranterweise an der falschen Stelle aufhing. Daraufhin hing ich das Spielzeug an anderer Stelle auf, abseits von der bevorzugten Laufbahn des Chinchillas. Nichts passierte. Das Chinchilla nahm das Spielzeug an der neuen Stelle zwar wahr, aber kümmerte sich nicht weiter darum. Das Bemerkenswerte an der Geschichte ist, daß das Chinchilla einen Zusammenhang zwischen hängendem Spielzeug, daß ihm im Weg war, und der Ursache für das Hängen auf der nächsten Ebene, nicht nur umgehend in Zusammenhang setzen konnte, sondern sogar noch aktiv dieses Wissen für seine Zwecke (= störendes Objekt beseitigen) umsetzte. In diesem Ablauf sind viele Einzelschritte und Verknüpfungen notwendig, die Intelligenz erfordern. Ein einfaches und doch zugleich beeindruckendes Beispiel für die Intelligenz von einem Chinchilla.
Eine weiterer Hinweis auf die Intelligenz gab mir das Experiment mit Clicker Training anhand eines 3-stufigen Parcours, den ich nach dem Vorbild von Hundetraining zuhause simmulierte. Die Wegstrecke, die das Chin zu bewältigen hatte bestand aus drei aufeinander aufbauenden Schwierigkeitsstufen und beinhaltete sowohl "durch eine Röhre kriechen", als auch "auf einen Stuhl hüpfen", usw. Das Chin war geübt darin gemäß Clickertraining einfachen Vorgaben zu folgen, z.B. zurück in den Käfig zu gehen auf mein Zeichen hin. Für diesen Parkur verwendete ich statt dem (nervigen) Clicker einen Dirigentenstab. Was das Chinchilla tun sollte wurde jeweils von mir mit dem Stab durch ein Tippen auf die Stelle vorgegeben. Das Chinchilla bewältigte alle 3 Stufen in einen Zug und ohne einen einzigen Fehler. Ein einziges Mal zögerte es, als ich in der Tat mit meinem Stab kein vollkommen eindeutiges Zeichen gab. Beim zweiten Zeichen setzte das Chin ohne zu zögern, zielstrebig und korrekt den Parkour fort. Die 3 Stufen waren innerhalb kürzester Zeit fehlerfrei vom Chinchilla durchlaufen worden. Am Ende des Parcous setzte es sich auf die Hinterbeine und fuhr sich mit der Chinchilla typischen Geste mit dem Vorderpfötchen über die Nase und guckte auffordernd nach "Mehr" (nach dem Motto - das war ein lustiger Anfang, und wo ist der Hauptteil?).
Experiment zum Gedächtnis: Bei Hunden gibt es ein klassisches Experimente zur Gedächtnisleistung, das sich auch gut auf Chinchillas anwenden läßt.
Erinnert sich ein Hund wo sein Leckerlie versteckt ist?
Das Ganze angewandt auf Chinchillas. Rosine oder Lieblingsleckerlie des jeweiligen Chins verstecken. Chinchilla im Auslauf testen, wo läuft es hin. Ich habe die obige versuchsanordnung mit mehreren meiner Chinchillas durchgeführt. Chinchillas sind schnell und zielstrebig. Die Erfolgsquote lag bei ca. 80-90%. Chinchillas suchten auch danach noch mehrfach den gezielt den Ort mit dem versteckten Leckerlie auf, um Nachzusehen, ob es bereits durch ein Neues ersetzt wurde. Das Ergebnis legt nahe, daß Chinchillas über ein sehr gutes Gedächnis verfügen.
Wie sieht es nun aus mit der Erinnerung an andere Chinchillas? Hier wird es insofern schwierig, als die Gedächtnisleistung nicht durch kognitive Prozesse überprüft werden kann. Die Wiedererkennung erfolgt primär durch den Geruch. So habe ich in CHINCITTA festgestellt, daß ein Chinchilla Weibchen ihren Sohn nach 1 1/2 Jahre Trennung am Beschnüffeln des Afters umgehend als "zur Sippe gehörig" erkennen konnte. Ihr Verhalten änderte sich schlagartig von "Eindringling" -> zu OK, der gehört dazu und Akzeptanz ohne jede Feindseeligkeit und ohne jede weitere Prüfung.
Wie sieht es nun aus mit der Erinnerung an andere Menschen? Anouk kam zu mir in New York. Ihr großer Lieblingsmensch, war (neben mir) mein Lebenspartner. Das ging so weit, daß die beiden ihre eigenen Spiele entwickelten und Anouk ihm als morgendliche Routine ins Bad folgte, um ihn vom Rand der Badewanne aus beim Rasieren anzuhimmeln. War er fertig, dann erst verließ auch sie das Bad. Das ist nur eines von vielen Beispielen für die enge Verbindung. Nach meinem Umzug nach D und der privaten Trennung, besuchte mich mein Ex-Lebensgefährte das erste mal nach einem halben Jahr Trennung. Anouk zeigte keinerlei Reaktionen der Wiedererkennung. Sie schien aber auch nicht beleidigt über sein Verschwinden zu reagieren. Sie behandelte ihn wie jeden anderen neuen Menschen. Und sie baute wieder mit den Tagen eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm auf, analog zu Menschen, die einen besonderen Draht zu Tieren haben. Nichts deutete jedoch darauf hin, daß sie sich KONKRET an ihn als den Mann erinnerte, der noch ein halbes Jahr zuvor einer ihrer Lieblingsmenschen war. Das würde bedeuten, daß die Erinnerung an vertraute Menschen nach ca. einem halben Jahr erlischt.
Chinchillas lassen sich erfolgreich auf der Basis von POSITIVE REINFORCEMENT trainieren. Die Grenzen hierfür sind noch nicht definiert. PR ist die Grundlage für das sog. CLICKER TRAINING wie es bei Meeressäugern, Delfinen, Pferden, Hunden, Hühner, etc. bereits seit längerer Zeit auf breiter Basis mit Erfolg praktiziert wird. Das Clicker Training läßt sich ebenso auf Chinchillas anwenden. Ich empfehle allerdings ein anderes Instrument als den nervigen Clicker einzuführen. Beispiel aus der Praxis : Zurück in den Käfig ( Training )