CHINCHILLA VERHALTEN und SOZIALVERHALTEN

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DOMESTIKATION DER CHINCHILLA ( KAPITEL III )

 


GRUNDLAGEN (THEORIE)
MENSCH UND CHINCHILLA IN DER PRAXIS
Im vorangegangenen Kapitel II zum Sozialverhalten der Chinchilla haben wir das Verhalten von Chinchillas zu ihren Artgenossen betrachtet. Je nach Grad der Sozialisation wird sich ein Chinchilla entsprechend dem Menschen gegenueber als sozialen Partner in der Haltung verhalten. Wir betrachten daher in Kapitel III die verschiedenen elementaren Verhaltenskreise von Aggression bis Zahmheit, von Kooperation bis Konflikt nun im Hinblick auf den Menschen.  
 
Chinchilla & Natur (Kapitel 1)  |  Chinchilla & Chinchillas (Kapitel 2) Chinchilla & Mensch (Kapitel 3)

DEFINITION VON DOMESTIKATION


Domestikation (lat.) = die Umwandlung von wilden Tieren zu Haustieren, durch Zähmung und durch Zuchtwahl. Die Domestikation bewirkt, oft unbeabsichtigt, Veränderungen in Körperbau, Färbung und Leistung des Wildtieres

oder anders ausgedrückt...
 
DOMESTIKATION  ist die durch den Menschen erfolgte züchterische Veränderung des Genpools einer Wildpopulation ( Haustierwerdung ). Domestikation führt zur Anpassung  an eine vom Menschen determinierte Umwelt. Durch zielgerichtetes ( und auch unbewußtes Züchten ) erzeugt der Mensch Veränderungen bei den Tieren: Äußerlich, im Körper und im Verhalten

Chinchillas werden erst seit wenigen Jahrzehnten von Menschen gezüchtet. Das ist im Vergleich zu anderen Tierarten wie Hund, Katze, Pferd ein verschwindend geringe Anzahl von Jahren und Generationen von Chinchillas. Der Zeitraum bis heute ist faktisch zu kurz, um von einer vollen Domestikation bei Chinchillas sprechen zu können. Unter Fachleuten wird daher bei Chinchillas der Begriff "halb-domestiziert"  verwendet

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EINLEITUNG

MENSCH UND TIER IN DER EVOLUTION

Die gesamte Entwicklungsgeschichte des Menschen ist von einem miteinander mit Tieren gestaltet. Alle menschlichen Kulturen sind reich an Liedern, Tänzen, ritualen, Mythen und Geschichten von Tieren. Viele Tierarten galten in frühen Zivilisationen als heilig und viele der götter und Göttinnen traten in Tierforum auf oder hatten tierische Helfer. Der Ursprung des heutigen Menschen ist in Afrika vor etwa 150 000 Jahren. Die Höhlenmalerei, die erste Kunst, entstand vor rund 30 000 Jahren und stellte bereits viele Tiere dar. Die Landwirtschaft setzte vor etwa 10 000 Jahren ein, und die ersten Zivilisationen und schriftlichen Aufzeichnungen sind ca. 5000 Jahre alt. Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler, wobei das Sammeln weitaus wichtiger war als das Jagen. Der Mensch als Jäger ist zum grossen Teil ein Mythos. In Wahrheit stammte nur ein kleiner Anteil der Nahrung von Tieren, die von den Männern gejagt wurden - das meiste wurde gesammelt, und das hauptsächlich von den Frauen (Ausnahmen sind nur die arktischen Regionen). 

Die ersten Tiere, die domestiziert wurden, waren Hunde. Die Nachfahren der Wölfe wurden vom Menschen zur Jagd und zur Bewachung ihrer Siedlungen eingesetzt. Die Domestikation der Hunde fand sogar noch vor der Entwicklung des Ackerbaus statt. Meist liest man, daß die Domestikation von Wölfen vor rund 10 000 bis 20 000 Jahren stattfand. Weitere DNA Untersuchungen bewiesen allerdings , daß die Umwandlung vom Wolf zum Hund bereits vor über 100 000 Jahren stattgefunden hat. Und sie wurden mehrmals domestiziert, da Hunde sich weiterhin mit Wölfen kreuzten. Jedenfalls ging die Domestikaton von Hunden als Beschützer und Hüter für den Menschen der Domestikation anderer Tiere lange voraus. 

Katzen wurden viel später als Hunde domestikziert, man nimmt an vor etwa 5 000 Jahren. Das belegen Dokumente und Überlieferungen aus dem alten Ägypten.  Pferde wurden etwa um den gleichen Zeitraum - vor 5 000 Jahren - im Gebiet von Turkestan domestiziert. Sie spielten eine wichtige Rolle als Zugtiere, im Krieg, und bei der Jagd. 

DIE MODERNE - EIN BILD VON GEGENSÄTZEN

Die enge Vertrautheit des Menschen und der Bauern mit ihren Tieren ist von der modernen industrialisierten Landwirtschaft abgelöst worden, wo Viehzuchtbetriebe, Großmästerein und Pelztierfarmen den Raum für Zuchtauslese und Fortpflanzung für Tiere bilden.
Dennoch entwickelte sich áuch eine private Kultur der Tierhaltung, die wir heute als Heimtierhaltung kennen. Schon 1865 stellte Francis Galton, der Vetter von Charles Darwin, und zugleich ein Pionier auf dem Gebiet der modernen Domestikation Folgendes fest: "... eine Tatsache, die allen Residenen vertraut ist, daß Wilde häufig Jungtiere verschiedener Arten fangen, sie als Schoßtiere aufziehen und als Kuriositäten verkaufen oder verschenken."Vielleicht wurden so tatsächlich viele Arten zum ersten Mal gezähmt, zusammen mit der Haltung von heiligen Tieren und dem Halten von Menagerien durch Häuptlinge und Könige. Eine Domestikation folgte jedoch erst später mit der gezielten Zucht und Auslese durch den Menschen. Im Gegensatz zur Tierhaltung aus Nützlichkeitserwägungen ( Jagd, Bewachung, Hüten, Zug- und Lastenträger) stellte das Halten von Haustieren einen gewissen Luxus dar. Heutzutage sind viel mehr Menschen wohlhabend, Haustiere (auch Exoten) sind leichter für jedermann zu haben - und mehr Menschen halten Haustiere.

Die meisten domestizierten Tiere waren ursprünglich Gesellschaftstiere und Tiere mit Dominanzhierarchien. Das erleichterte es dem Menschen diese Tiere leichter unter Kontrolle zu bringen. Aufschlussreich ist das Verhalten von Tieren, wenn sie verwildern und zu den Gewohnheiten ihrer wilden Vorfahren zurückkehren. Die meisten heutigen Nutztiere sind schon so weit domestiziert, daß eine Auswilderung problematisch ist. Für unsere Chinchillas als nur "halb-domestizierte" Tiere ist diese Betrachtung jedoch allemal von Interesse. Man weiß, daß in der Regel verwilderte Tiere in Gruppen leben, die denen ihrer wilden Vorfahren ähneln. Unsere domestizierten Tiere sind von Natur aus sozial, genau wie der Mensch. Vor diesem Hintergrund werden wir unsere Chinchillas als Heimtiere genauer unter die Lupe nehmen.

DIE KURZE DOMESTIKATIONS-GESCHICHTE UNSERER CHINCHILLAS

Chinchillas leben seit Tausenden von Jahren in den Anden. Die ersten Berichte von Chinchillas als Heimtiere finden sich zu Zeiten des Inka-Reiches. Chinchillas werden allerdings erst seit den 1920er Jahren in Gehegen auf breiter Basis von Menschen gezüchtet. Zuerst in Übersee, und ab den 50er Jahren auch zunehmend in Europa. Der Trend zum Chinchilla als Heimtier setzte sich in den USA seit den 70er Jahren verstärkt durch und in Europa und Deutschland erst in den vergangenen 20 Jahren. Die grosse Mehrzahl von Chinchillas lebt heute nach wie vor in Pelz- und Grosstierzuchten.  Im Vergleich zu anderen Tieren ist die Domestikationsgeschichte der Chinchilla angesichts dieser Entwicklungsgeschichte noch ganz in den Anfängen.