Und was bedeutet...??? | VON A BIS Z |
(1) Eine der grossen Faszinationen, die das Chinchilla ausübt rührt meiner Ansicht nach nicht nur von der Schönheit des Fells und der puschelig flausichigen Gesamterscheinung her, sondern vom Augenkontakt. Ein Chinchilla kann einem ewig in die Augen sehen ohne zu blinzeln. Das ist magisch!
Darauf machte mich ursprünglich meine erste Chin-Mentorin, Sandy Kao, in USA aufmerksam. Chinchillas blinzeln normalerweise nicht (außer sie haben was im Auge). Zudem haben sie große, leuchtend warme Kulleraugen - und sie blinzeln einfach nicht. Der Blickkontakt wird ewig aufrecht erhalten und durch nichts unterbrochen. Jeder, der den Test wie ich und vor mir Sandy gemacht haben, wird feststellen, daß man nicht gewinnen kann. Als Mensch blinzelt man viel eher und öfter als ein Chinchilla. Genau genommen halten sie es ewig aus, gucken einen an, und blinzeln nie. Augenkontakt in dieser Form - das weiß man aus Studien - hat einen fast hypnotischen Effekt.
Und dann plötzlich blinzelte eines meiner neuen Chinchillas öfter, wenn ich es anguckte. Zufällig war es Bella Bartl. Ihre frühere Halterin, Dr. med. vet. Bartl meinte aufgrund ihres Wissens spontan, daß es sich um eine Beschwichtigungsgeste handelt. Nur warum Beschwichtigung? Nichts in meinem Verhalten war auf Angriff oder Aggression angelegt. Und das hatte sich schon bei so vielen Chinchillas zuvor besätigt. Und auch dieses Chinchilla schien sich abseits vom Zwinkern eigentlich nicht von mir bedroht zu fühlen. Es war nur diese erste Stufe des Blickkontakts und der Kommunikation, der in diesem Fall "ungewöhnlich" bzw. verzögert war. Woran lag das?
Und dann kam mir die Lösung des Rätsels: ich hatte in dem Jahr eine neue Zweitbrille. Normalerweise bin ich der ganz klassische Understatement Typ, aber da hatte ich mal Lust auf ein Gegenstück und hab mir die in dem Jahr so hypen Dunkelrand-Brillen zugelegt. In der Tierwelt gilt die Augenzeichnung und Markierung um die Augen als ein Extra Signal. Nicht umsonst kennen wir die Vergrösserung und Betonung der Augenpartie durch den Kajal-Strich. Es vergrößert und betont die Augenpartie. Es macht sie ausdrucksvoller, intensiver und auch "gefährlicher". Das wußten schon die alten Ägypter und Cleopatra. Und nicht zufällig nennt man diese Augenmarkierung bei Chinchillas "Egyptian Eyeliner".Die beonte Augenpartie setzt ein Signal. Und die Reaktion darauf war eine Beschwichtigungsgeste.
Der Test: ich setzte meine rahmenlose, völlig dezente Brille auf. Nix, kein Zwinkern, keine Reaktion. Ich setzte meine Ersatzbrille mit dem stark betonenden dunklen Rahmen auf, und da war es: das Zwinkern des Chinchillas. Ich wiederholte das Experiment mit immer dem gleichen Ergebnis. Seither setzte ich ganz bewußt bei neuen Chinchillas und jenen mit denen ich "trainiere" immer nur die rahmenlose Brille auf. Diese schreckt sie nicht ab, und irritiert sie nicht.
(1) Normalerweise reitet das Chinchilla Böckchen auf dem Weibchen auf. In gleichgeschlechtlicher Haltung kann es aber auch bei zwei Böckchen vorkommen, daß ein Böckchen den anderen als sexuelles Ersatzobjekt behandelt. In dem Fall reitet das dominante Böckchen auf ein anderes Böckchen (Weibchenersatz) auf. Wird dieses Verhalten zu einseitig entsteht ein Leidendruck auf seiten des unterlegenen Böckchens. Hier sollte der Halter eingreifen.
(2) Ein Aufreiten bedeutet - ich bin der Oberste, der Boss. Aufreiten ist ein Bestandteil von dem Prozeß die Rangordnung zu diskutieren und zu klären. Das dominante Tier reitet auf. Das / die untergeordneten Tieren werden aufgeritten. Solange letztere dies noch Abzuwehren versuchen, sich Herauswinden, Davonlaufen, begleitet von Unmutslauten, ist die Rangordnung noch nicht geklärt. Erst wenn die unterlegenden Tiere das Aufreiten irgendwann ohne Widerstand zulassen, ist die Rangordnung bestätigt und bis auf weiteres festgelegt.
(3) Als Spielverhalten wird dieses Verhalten von Aufreiten, Weglaufen etc, schon bei Chinchillababies und Jungtieren gezeigt. Es ist eine spielerische Übung für das Verhalten, daß sie im Zuge der Geschlechtsreife, dann ernsthaft austragen.
(1) folgt meist nach dem -> ALARMRUF eines anderen Chinchillas in der Herde bzw. in der Wohnung (auch über Räume hinweg). Das Chinchilla richtet sich auf und nimmt so die Umgebung mit gesteigerter Wachsamkeit wahr.
(2) Ein Aufrichten steigert die Präsenz. Es erhebt das Tier physisch über sein Gegenüber. Es ist die Vorstufe für weitere Abwehrreaktionen, Drohgebärden bzw. Aggression. Bei Weibchen äußert es sich die Folgereaktion konkret in einem zielgerichteten Pipistrahl auf das Gegenüber. Bei Böckchen ist das Aufrichten meist mit Zähne-Zeigen - Zähne-Klappern - Zähne-Schnattern als zusätzliche Drohgebärde angezeigt.
(1) Wenn man ein Chinchilla fängt und gegen seinen Willen festhält, dann kann man einen starken vitamin-B-artigen Geruch wahrnehmen ("Vitaminbombe"). Am After kann man erkennen, daß sich dieser immer wieder öffnet und ein weiß-gelblicher Knoten (-> ANATOMIE : > After - Analbeutel - Analdrüse ) im unteren Winkel des Afterschlitzes zum Vorschein kommt. Der Analbeutel liegt unter dem Enddarm und mündet hier. Chinchillas können durch besagte Ausstülpung Duftstoffe entleeren (ähnlich dem Stinktier). Man nimmt an, daß es sich dabei um eine Warn-, Schreck-, bzw. Abwehrreaktion handelt und sich gegen natürliche Feinde richtet.
(2) In der Heimtierhaltung ist die Abgabe des Duftstoffes aus dem Analbeutel auch oft von einem Unmutslaut (-> Schnalzlaut) begleitet. Ihr Chinchilla gibt Ihnen eine klare Aussage damit: "Ich mag das nicht, laß mich sofort los!".
(1) Das Anknabbern der Vibrissen "behindert" das Tier, es wird dadurch etwas gehändigkapt und so "herabgestuft".
Wenn die Barthaare der Ranhöheren angeknabbert werden, dann ist das eher ungewöhnlich - vermutlich in Zeiten in denen dieses Tier von einem "Nachfolger" herausgefordert wird.
(2) Übergrosse Fürsorge und Liebesbekundung (meist Muttertier - Jungtiere). Da kann schon mal zuviel "geschmust" werden und die Vibrissen des Kleinen leiden darunter. Ähnlich den "Ohrnibbeln".
(3) Eine dritte Variante (eher selten) ist, daß Chinchilla Partner (egal ob gleichgeschlechtlich oder nicht) immer in der selben Stellung Kuscheln und dabei die Barthaare des Kuschelpartners stören. Manche Chinchillas behelfen sich da einfach damit, diese dem Kuschelpartner dann zu stutzen. Keine Sorge. Barthaare wachsen wieder nach!
Das Chinchilla akzeptiert seinen Halter und behandelt ihn wie einen Chinchilla Artgenossen indem es ihn pflegt und zurechtzupft. Man nennt das in der Verhaltensforschung auch das sog. "Fremdputzen".
Dieses Verhalten gehört zum Akzeptanzverhalten. Das Chinchilla akzeptiert seinen Halter und behandelt ihn wie einen Chinchilla Artgenossen indem es ihn pflegt und zurechtzupft. Man nennt das in der Verhaltensforschung auch das sog. "Fremdputzen".. Es ist eine Bekundung von Zuneigung durch das Chinchilla. Je nachdem wie innig und vertraut dies geschieht reicht es auch in den Bereich der Liebkosung.
Dieses Verhalten gehört ebenso zum Akzeptanzverhalten wie NIBBELN AN DER HAND DES HALTERS, FINGERNÄGEL DES HALTERS BEKNABBERN, die HAARE DES HALTERS LUTSCHEN UND BEKNABBERN. Das Chinchilla akzeptiert seinen Halter und behandelt ihn wie einen Chinchilla Artgenossen, indem es ihn pflegt und zurechtzupft. Man nennt das in der Verhaltensforschung auch das sog. "Fremdputzen".. Wobei das Benibbeln von Hautverletzungen eher der Wundpflege zuzuordnen ist. Die Hautpartie wird durch das Nibbeln stimuliert und durchblutet. Das fördert den Heilungsprozeß. Das Abnagen von Hautpartikel z.B. Nagelhaut um die Fingernägel oder Hornhaut an den Füssen des Halters ist dagegen eher in den Bereich der Körper (Fell) Pflege einzuordnen.
Unsere Chinchillas kümmern sich rundum um uns. Und der Halter kann sich freuen, denn dieses Akzeptanzverhalten ist auch eine Form Liebesbekundung und bereits eine fortgeschrittene Stufe von ZAHMHEIT.
Chinchilla Laute wurden 2006 erstmals im Rahmen einer wissenschaftlichen Verhaltensstudie über rund 2 Jahre erforscht, dokumentiert und erklärt von Dr. med. vet. Juliana Bartl.
Die Basislaute werden anschaulich erläutert:
(1) Einer Chinchilla Attacke folgt im Ernstfall oft der Biss in den Nacken oder die Schädeldecke. Ganze Hautfetzen werden abgerissen und das Gehirn des angegriffenen Tieres freigelegt. Solche Angriffe müssen sofort (auch mitten in der Nacht) behandelt werden. Sie gehen idR einher mit einem Schock beim angegriffenen Tier. Wird hier nicht sofort und gezielt auf Schock behandelt, dann verfällt das Tier weiter in Apathie und verstirbt. Eine gezielte Schockbehandlung und Wundversorung dagegen schafft die Basis für einen Neustart mit anderen Chinchilla Partner.
(2) Der Nackenbiss beim Paarungsverhalten wird vom Böckchen angewandt. Er dient zum Festhalten und unterdrückt evtl. aggressives Verhalten des Weibchens.
(3) Belebung der Vitalfunktionen beim neugeborenen Chinchilla Baby. Insbesondere bei Mehrlingswürfen und niedriger Umgebungstemperatur besteht die Gefahr, daß neugeborene Chinchillababies nach der Geburt in ein Koma verfallen. Das ist NICHT zu verwechseln mit der Geburt kranker und lebensunfähiger Babies! Im Gegensatz hierzu handelt es sich um äußere Umwelteinflüsse, die den Start ins Leben des Chinbabies erschweren, wie Kälte. Um die Vitalfunktionen des Babies anzuregen dient in diesem Fall ein Nackennibbel zur Anregung durch das Muttertier.
(1) Das Baby sofort zur seiner Chinchillamama zurück setzen bzw. die Kontakt nicht weiter stören und sich als Halter entfernen. Kontrolle, ob die Mutter genügend Milch hat ist von zusätzlichem Wert. Gegf. Maßnahmen ergreifen -> Medikamente -> Apfelsaft Zusatz zum Trinkwasser -> getrocknete Himbeerblätter als Zusatz zur Nahrung, etc.
(1) Der sog. Probebiß ist für das Chinchilla artspeziefisch und überlebenswichtig. Es wird von beiden Geschlechtern gezeigt. Das Chinchilla greift das (potentielle) Futter mit der Vorderpfote und führt es zum Mäulchen. Hier wird entschieden, ob das Objekt sich als Nahrung eignet oder mit der Vorderpfote in einer Wegwerf-Geste beseitigt wird.
Dieser Futter Test ist für Chinchillas überlebenswichtig. Chinchillas stammen aus einer kargen Landschaft in den Hochebenen der Anden ( -> NATUR ). Sie müssen oft stundenlang nach Nahrung suchen. Da darf man nichts "übersehen", was wertvolle Energie für das Überleben bereits stellt. Um die Auslese möglichst optimal und effizient zu gestalten dient der Test: der Probebiß.
(2) Der Probebiß ähnelt sehr dem Kurznibbeln an Gegenständen und Kanten in der Umgebung. Dieser erfüllt jedoch einen anderen Zweck. Chinchillas sind Fluchttiere, zum Überleben dient ihnen ihre Wendigkeit, Schnelligkeit. Kanten und Ecken in ihrem Revier behindern sie bei der Flucht. Sie werden auf Beseitigung, Begradigung und Abschwächung durch Rundnagen hin geprüft.
1. Aufmerksamkeit
2. Langeweile
Hier ein Auszug aus den Beobachtungen einer Chinchilla-Verhaltens-Expertin:
KÄFIGRÜTTELN Manchmal rütteln Chinchillas mit ihren Vorderpfoten am Gitter oder Nagen daran, um Krach zu machen. Aus: CHINCHILLAS von Juliana Bartl, 2008. |
1. Rangordnung zur Diskussion
2. Schlechte Manieren
3. Protest
(1) Hier ein Auszug aus den Beobachtungen einer Chinchilla-Verhaltens-Expertin:
URINIEREN Wenn Chinchillas ins Sandbad oder in den Futternapf urinieren, können Probleme in der Rangordnung der Grund sein - die Tiere markieren dann verstärkt ihr Futter. Wechseln Sie das Futter täglich, und reinigen Sie Sandbad sowie Toilettenecken. Aus: CHINCHILLAS von Juliana Bartl, 2008. |
(2) Chinchillas sind sehr reinliche Tiere. Da ist eine eng begrenzte Käfighaltung schon eine große Zumutung für die Tiere. Über die Generationen von Klein-Käfig-Haltungen entstehen degenerative Erscheinungen im Verhalten. Auf Deutsch: manche Chinchillas werden zu Ferkelchen und geben das so auch an ihren Nachwuchs weiter. Der lernt nur dieses Verhalten und es etabliert sich.
(3) Der Halter fährt in Urlaub oder der rundum Service läßt bedenklich nach. Skandal !!! Verwöhnte Chinchillas nehmen so etwas nicht einfach so hin. Und hoch intelligente Tiere wie Chinchillas wissen wie sie reagieren müssen, und wo sie den Halter empfindlich treffen können: Pipi in die Tabu-Zonen als Extra Aufwand in der menschlichen Käfigreinigung. Dieser Protest kann nicht übersehen werden!
1. Abwehr Verhalten
2. Aggression
Urinspritzen oder der gezielte Urinstrahl auf ein Gegenüber (Mensch, oder Chinchilla) wird in der Verhaltensforschung in der Bereich des DEFENSIV AGONISTISCHEN VERHALTENS zugeordnet. Dabei unterscheidet man weiter zwischen Abwehrverhalten, defensive Verteidgungstrategien usw.
(1) Hier ein Auszug aus den Beobachtungen einer Chinchilla-Verhaltens-Expertin:
URINSPRITZEN Dieses Abwehrverhalten ist das höchste Alarmzeichen einer Chinchilla. Auch wenn Sie es nicht selbst beobachten, können Sie mit Urin spritzende Tiere daran erkennen, dass sie gelbliche Verfärbungen am unteren Bauchfell haben. Tritt dieses Verhalten öfter auf, müssen Sie den Grund der starken Angst suchen und beseitigen. Aus: CHINCHILLAS von Juliana Bartl, 2008. |
Ergänzende Erfahrungen aus CHINCITTA:
(2) Ich habe regelmäßig alte Tiere aus Pelztierzuchten aufgenommen, die ansonsten kurze Zeit darauf aus der Zucht genommen bzw. gepelzt worden wären. Das o.g. Verhalten konnte ich v.a. bei "alten" ZuchtWEIBCHEN beobachten. Sie haben einen strikten Bannkreis innerhalb dessen sie keine menschliche Annährung dulden. Da diese Chinchilla Weibchen oft liebevolle Beziehungen zu ihren Deckböcken unterhalten, ist die Aggression und Abwehr nicht artspeziefisch. Ich führe dieses Verhalten auf eine gezielte Abwehr Reaktion gegenüber dem Menschen / Züchter zurück. Die Ursachen dafür sehe ich in einem Beschützer- und Mutterinstinkt und die Erfahrung immer wieder ihre Babies (auch vor ihrer Zeit) weggenommen zu bekommen. Respekt, Geduld, Hingabe... führten gerade bei solchen Chinchilla Weibchen dazu, daß sie die liebsten Heimtier Chinchillas wurden, denen es ein besonderes Vergnügen bereitete in engstem Körperkontakt mit mir zu Spielen, z.B. am Hals in meinen Sweater zu schlüpfen und auf meiner Haut Rutsche zu fahren bis zum Schoß, Köpfchen raus, wieder rauf auf die Schulter und das Ganze von vorne. Diese Weibchen zeigen auch oft am Anfang ein stereotypes Zittern bei jeder Annährung oder Berührung von Menschen. Je nachdem wie alt und vorbelastet die Weibchen sind - werden sie dies nie mehr vollständig verlieren. Das Zittern wird aber viel leichter werden und sich viel schneller nach meinen Übungen und ein paar Atemzügen beruhigen. Soviel kann ich auf der Basis meiner Verhaltenstherapie als Erfolg garantieren. Das Urinspritzen wird ebenfalls vollständig aufhören.
Verhalten neu prägen
Die Tiere haben nach vielen Jahren "Ihre" Geschichte. Aber sie reagieren intensiv auf Behandlung und sind erstaunlich adaptiv: von keifenden Urinspritzer Weibchen hin zum Kuschel-Sofa Chin. Von der "alten Zicke", die jeden Menschen in ihrer Nähe besprüht bis hin zu Shiraz (im zweiten Teil ihres Lebens), die jedesmal wenn ich ihren Käfig säuberte ihren Schlaf unterbrach, zu mir kam und die Vorderpfötchen um meine Hand legte (keine Übertreibung, kein Witz, sondern jede Woche ihr ganz spezielles Dankeschön). Diese Tiere haben ihr Leben lang sich selbst als Zuchtmaschinen erlebt und für einen Markt des Menschen produziert. Sie haben die Liebe an ihren Nachwuchs weitergegeben. Und sie können v.a. in diesen Verhaltensformen ihre Liebe bekunden. So ist es typisch für diese Weibchen, daß sie nachdem sie einmal Vertrauen gefaßt haben, die Hand des Halters gerne sanft aber bestimmt unter ihren Körper schieben (wie kleine Chinbabies), um sie zu wärmen, zu liebkosen und mit sanften Nibbeln zu pflegen. An solchen Gesten merkt man die lange und intensive Geschichte, die Chinchillas aus Vorgängerhaltungen mit sich bringen. Sie öffenen sich wie ein Buch und enden doch immer in einer Liebeskundung seitens des Chinchillas. Faszinierend !
1. Erregung
2. Sexuelles Werbeverhalten (beim Böckchen)
(1) ERREGUNG
Chinchilla Schwanzwedeln kommt bei beiden Geschlechtern, jedoch vorwiegend bei den Böckchen in der sexuellen Werbephase.
Während beim Böckchen sexuelles Werbeverhalten einhergeht mit emotionaler Erregung, so kann trotzdem Erregung auch unabhängig von Balz in dieser Form auftreten. z.B. bei:
- Vergesellschaftung (gleichgeschlechtlich)
- Vergesellschaftung (Neuer sexueller Partner)
- Fremdes Tier nähert sich dem Käfig / Revier
- Aufregung und Freude (bei hyperaktiven Chins)
Bei Weibchen zeigt sich die Erregung in Form von Schwanzwedeln vermehrt beim Kontakt mit neuen Tieren, z.B. neues Böckchen als Partner in der ersten Kontaktphase im Käfig, oder anderes Chinweibchen, das sich ihrem Revier nähert - siehe (1). Schwanzwedeln ist dann oft begleitet von einem Aufrichten auf den Hinterbeinen = eine erste Drohgebärde. Wird dieses Verhalten gezeigt ist eine Vergesellschaftung idR zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.
Um dieses Verhalten erst gar nicht zu provozieren - haben mirerfahrene Züchter in USA geraten ein neues Böckchen nimals in den Käfig zu einem dominanten Weibchen zu setzen. Sondern umgekehrt: das Weibchen wird aus ihrem Revier heraus genommen und zum Böckchen in einen neutralen Käfig gesetzt.
(2) SEXUELLES WERBEVERHALTEN
Das Verhalten Schwanzwedeln bei Böckchen zeigt sich v.a. zur natürlichen Paarungsphase im Jahr bei Chinchillaböckchen. Sie sind erregt, suchen nach sexuellen Partner für die Paarung. In dem Zusammenhang zeigen sie das Schwanzwedeln. Bei Böckchen, die in der Heimtierhaltung keinen Zugang zu Weibchen haben, kann es zu Ersatzhandlungen kommen:
a) zu einem Übersprungsverhalten kommen, dh. mangels natürlicher Geschlechtspartner (keine Weibchen) richtet sich das Schwanzwedeln als sexuelle Animation auf andere Böckchen. Da dieses Werbeverhalten offensichtlich von Natur aus zu keiner Befriedigung kommen kann artet es oft in Aggression (-> Jagen, Fellfliegen) aus oder in Unterdrückung (-> s.u.). Wehrt sich das rangniedrigere Böckchen als sexueller Ersatzpartner (s.u.) bestiegen zu werden und läuft weg, kommt es regelmäßig zu Jagdszenen.
b) In der Tierwelt ist auch Homosexualität belegt (z.b. bei Pinguinen in Zoos), allerdings nicht bei Chinchillas. Was man beobachten kann bei Chinchilla Böckchen unter sich - ein rangniederes Böckchen wird als "Ersatzpartner" zur sexuellen Befriedigung genommen. Das stärkere Böckchen reitet bei ihm auf, wie bei einem weiblichen Geschlechtspartner. Laut TA kommt es allerdings so gut wie nie zu einer Penetration. Es kommt daher meist nur zu oberflächlichen Körperverletzungen. Hält dieses Verhalten an besteht trotzdem akuter Handlungsbedarf beim Halter, denn es führt zu seelischer und körperlicher Unterdrückung des rangniedrigeren Tieres (-> rangniederes Böckchen wird als sexueller Ersatzpartner benutzt). Das Schwanzwedeln bei Weibchen gezeigt als sexuelle Animation war bislang noch nicht als Verhaltensmuster in Zeiten der Brunst und Hitze zu beobachten. Beim Weibchen zeigen sich stattdessen andere Verhaltensweisen, wie ein Anheben des Schwänzchens im Gesichts- und Nasenkreis des Böckchens u.a
1. Glücklichsein
Ein wunderbares Verhalten ist der Standhüpfer der Chinchilla. Das Chinchilla hüpft mit allen vier Füßchen gleichzeitig senkrecht nach oben in die Luft. Die Hüpfer sind meist 10-30 cm hoch. Das Verhalten wird vermehrt noch bei Chinchillababies und Chinchilla Jungtieren gezeigt, aber auch ältere Tiere äußern so einen Zustand von Glück. Im englischen Sprachgebrauch nennt man dies Glückshüpfer auch POPCORN JUMPS. Insbesondere Chinbabies poppen dann in die Luft wie vom Hafer gestochen. Es ist Ausdruck von Lebensfreude, Glücklichsein, Aufgedrehtheit. Übrigens ein Phänomen, das sich auch bei anderen Tierarten v.a. bei Jungtieren beobachten läßt.
Ein relativ unerforschtes Gebiet der Wissenschaft
Chinchilla Verhalten ist ein sehr unerforschtes Gebiet aus wissenschaftlicher Sicht. Aber auch ein Blick auf Hobbyseiten und Foren zeigt, dass systematische Analysen von Chinchilla Verhalten noch kaum angedacht sind. Was Sie hier auf diesen Seiten finden ist geleistetes VORDENKEN und eine erstmalige Adaption von Grundbegriffen, Theorien und Studien aus der Verhaltensforschung von Tieren, die erstmals auf dem Web systematisch auf Chinchillas angewandt und uebertragen werden. Auf dem Internet findet man meist ein Konglomerat von zusammengetragenen Infos von gemischten Sekundaerquellen, was zu einem ekklektizistischen Wissen fuehrt, anstelle von authentischer Wissensvermittlung. Was hier entsteht hat keine Vorlagen, Vorbilder oder Plattformen von denen Inspirationen aufgenommen, oder uebernommen werden koennte.
Ein paar wenige Ausnahmen gibt es, auf die man in der Betrachtung von Chinchillaverhalten bereits sinnvoll aufbauen kann. Exemplarisch sei hier auf die Publikationen von Dr. med. vet. Juliana Bartl verwiesen. Sie ist selbst Chinchilla Halterin ( große Gruppen ) seit rund 15 Jahren, hat eine fachliche Ausbildung als Tierärztin erfolgreich absolviert und ihre Dissertation bereits am Institut für Verhaltensforschung der Universitäts-Tierklinik München verfaßt. Ihre Qualifikationen ermöglichen eine fachlich fundierte Darstellung von Chinchilla Verhalten. Davon können wir Chinchilla Liebhaber viel profitieren und darauf aufbauen. Diese Seiten - insbesondere der "Verhalten-Dolmetscher" verdankt viele Einsichten ihrem Vordenken, Anregungen, Inspirationen.
Meine Beobachtungen, Quellen, Hintergründe
Diese Seiten zeigen meine Beobachtungen zu meinen rund 30 Chinchillas in meiner Haltung und vielen anderen Chinchillas über die Jahre. Sie basieren darüber hinaus auf meinen Studien von umfangreicher Fachliteratur zur Verhaltensforschung von Tieren bis hin zu populär-wissenschaftlichen Sachbüchern von Temple Grandin und anderen ähnlich interessanten Autoren ( -> Literaturliste auf Anfrage ) - und wendet diese breite Perspektiven Vielfalt konkret auf Chinchillas an. Die Welt der Verhaltensäußerungen bei Tieren ist ein faszinierendes Universum. Daraus filtere ich die wiederholbaren Verhaltensmuster, abstrahiere davon und setzte sie in einen verallgemeinerbaren Zusammenhang.
Jedes Lebewesen ist individuell
Natürlich gibt es vielfältige Variationen, individuelle Abweichungen, das zeigt sich bereits von Wildtier zu individueller Heimtierhaltung von Chinchillas. Jede Haltung hat seine eigene Dynamik! All diese Beobachtungen führen bei mir zu einer ständigen Anpassung und Optimierung der Haltung, um ihrem Wesen noch mehr Entfaltungsraum zu verleihen. Das erfordert viel Zeit mit den Tieren, Geduld und sensible Beobachtungsgabe und macht unendlich viel Freude!
Vielleicht findet sich auf diesen Seiten das ein- oder andere Hilfreiche für andere Chinchilla Liebhaber. Das würde mich freuen!
Gleiches gilt für konstruktives Feedback und weitere Anregungen.
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Viel Spaß & Inspiration!
Claudia