CHINCHILLA VERHALTEN und SOZIALVERHALTEN

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AGONISTISCHES VERHALTEN BEIM CHINCHILLA

 

GRUNDLAGEN

SOZIALVERHALTEN

MIT DEM MENSCHEN

 
Um das Sozialverhalten von Chinchillas besser verstehen zu können, schauen wir uns hier zunächst die Grundlagen an. Sozialverhalten basiert auf den Hauptmechanismen von Kooperation und Konkurrenz. Beides läßt sich beschreiben anhand des sog. Agonistischen Verhalten, weil dieses sich konkret mit offensivem versus defensivem Verhalten befaßt.
 

DEFINITION VON AGONISTISCHEM VERHALTEN

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AGONISTISCHES VERHALTEN

ist die Sammelbezeichnung für alle Verhaltensweisen gegenüber Artgenossen, die das eigene Verhalten störend beeinflussen. Es besteht aus zwei gegensätzlichen Strategien:

  • Angriffs- oder aggressives Verhalten
    Annähern, Imponieren, Drohen, Angreifen, Kämpfen (aus Aggression & Verteidigung), Tötung
  • Flucht- oder defensives Verhalten
    Flucht, Ausweichen, Beschwichtigung, Unterwerfung
Die Funktion: das Herstellen von Rangordnungen in sozialven Verbänden durch A.V. sichert:
  • Stabilität
  • Ordnung
  • Aktionsräume

A.V basiert auf lebensnotwendigen Ansprüchen hinsichtlich Raum, Nahrung, Fortpflanzungspartner, Betreuung von Nachkommenschaft u.a. Es betrifft daher die Funktionskreise: Territorialverhalten, Sexualverhalten, Brutpflege u.a. Diese Funktionskreise werden auf dieser Seite in einzelnen Kapiteln noch eigens zum Chinchilla dargestellt.

A.V. beruht auf zwei gegensätzlichen Strategien, die ebenbürtig und wertfrei zu betrachten sind. Sie dürfen nicht mit "mutig" und "stark" oder "schwach und feige" gleichgesetzt werden. Welche Strategie zum tragen kommt hängt von der Qualität der Ressource und der Motivation ab. Wichtige Parameter sind dabei Distanzminderung bzw. Distanzvergrößerung und Fragen der Dominanz.

 AGONALES VERHALTEN
 ( FEINDVERHALTEN )
 Kampfsystem 1. Verhaltensweisen der Aggression: Drohen, Kämpfen
  2. Verhaltensweisen der Verteidigung: Drohen, Kämpfen
 Fluchtsystem 3. Verhaltensweisen der Submission (= Unterwerfung, Unterordnung)
  4. Fluchtverhalten

Eine frühere Einteilung finden wir bei Eibl-Eibesfeldt (1999), die folgende Unterscheidung (s. oben) liefert:

  • Das von E.-E. so bezeichnete "Kampfsystem" entspricht dem Aggressiv Agonistisches Verhalten (AAV),
  • während das "Fluchtsystem" mit dem Defensiv Agonischen Verhalten (DAV) gleichzusetzen ist. 

Wir werden also ein- und diesselbe Verhaltensweise (z.B.Zähneklappern,Urinstrahl, etc.) in verschiedenen Bereichen vorfinden, je nach Kontext des Verhaltens.

DEFENSIV AGONISTISCHES VERHALTEN (DAV) BEIM CHINCHILLA

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Flucht und defensives Verhalten beim Chinchilla

  • Verstecken
  • Weglaufen ( -> Schnelligkeit, Wendigkeit, Sprungkraft)
  • Verkeilen in einer Spalte
  • Fell Abwerfen
  • Unterwerfungsgesten
  • ALARMRUF ( dient der Feinvermeidung )
  • Schnalzlaut
  • Abwehrlaut
  • DUFTSTOFF ABSONDERUNG (?)

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AGGRESSIV AGONISTISCHES VERHALTEN (AAV) BEIM CHINCHILLA

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Angriffs- oder offensives bis aggressives Verhalten

Aus der Fachliteratur:

  • nicht paarungsbereite weibliche Chinchillas zeigen bei Besteigungsversuchen das Böckchens ein aggressives Verhalten, indem sie sich in aufrechter Haltung dem Männchen gegenüber stellen und einen Strahl Urin ausstoßen (Bartl, 2006)
  • während der Fortpflanzungszeit werden Weibchen aggressiver gegen andere Weibchen

Aus meinen eigenen Beobachtungen:

Zu Beginn der Hitze wittert das Böckchen bereits den besonderen Duft der Weibchen. Das Weibchen ist aber noch nicht bereit. Besonders in den 1-2 Tage vor der Empfängnisbereitschaft ist das Weibchen extrem genervt von Annährungsversuchen des Böckchens.

  • Junge Böckchen verstehen dann die Welt nicht mehr, warum sie von einem vertrauten Weibchen abgewiesen wurden, wo ihr Weibchen doch schon so gut duftet.
  • Erfahrene Böckchen testen in dieser Frühphase ganz vorsichtig an, ob das Weibchen schon so weit ist. Werden sie abgewiesen (fällt in dem Fall meist milder aus, weil sie sich klugerweise schon nciht so aggressiv nähern), dann warten sie rund 24-36 Stunden ab, OHNE einen weiteren Annäherungsversuch zu unternehmen. Erst danach = faktische Empfängnisbereitschaft machen sie einen erneuten Annährungsversuch begleiten

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NEGATIVE BEISPIELE - ENTARTUNG

Spätestens seit meiner Einfuehrung von Temple Grandin fuer die deutsch-sprachige Chinchillaszene wissen wir, daß die menschliche Zuchtauslese und Haltung nicht nur Schönheit und Positives hervorbringt. Manche Zuchtanlagen führen zu einem Verlust von natürlichen Verhalten z.B. natürliches Werbeverhalten unter den Tieren. Die Konsequenz sind entartetes Verhalten bis hin zu tödlichen Attacken.

  • Zuchtböckchen verlernen das natürliche Werbeverhalten -> Vergewaltigung -> tödliche Attacken
  • Erhöhte Aggressivität bei Zuchtböcken führt bei Widerstand der Chinchilla Weibchen zur Tötung (Nackenbiss, aufgerissene Schädeldecke)

Dahinter verbirgt sich meines Erachtens der Verlust von Wissen, Lernfähigkeit, Tradition wie ich es im vorangegangenen Absatz zu "erfahrene Böckchen" unter normalen Umständen beschrieben habe. Aggressive Böckchen, die die Kommunikaiton mit dem Weibchen - keine Paarungsbereitschaft in der Frühphase der Hitze - nicht verstehen, werden zu Vergewaltigern oder zu Tötungsmaschinen. Die Ursache liegen neben mangelnder artgerechter Sozialisierung und räumlicher Begrenzung auch in der Zuchtauslese u.a.
  • Hormonspiegel (durch künstliche Zuchtauslese gezielt erhöht. Denn aggressive Böcke gelten gemeinhin als gute = produktive Zuchtböcke
  • mangelnde Sozialisierung. Zuchtböcke lernen kein Werbeverhalten anhand eines natürlichen Familienverbandes, weil sie als Jungtiere getrennt werden
  • Räumlich begrenzte Zuchtanlage. Käfige erlaube keinen weitläufigen Raum in dem die angegriffenen Chinchillas davon laufen können und sich ein Streit von selbst verlaufen kann. Begrenzter Raum begünstigt die Eskalation von Streit in Chinchillagruppen.
  • Halskrausen. Ein Chinchllaweibchen mit Halskrause ist weitaus weniger wendig. Es ist behindert in seiner Verteidigung gegenüber jedem Zuchtbock.

AGONISTISCHES VERHALTEN ALS ABWEHR UND VERTEIDIGUNG GEGENÜBER DEM MENSCHEN

  • Flucht - Bitte kein Kontakt
  • Verstecken - die Wahrung der Individualdistanz
  • Fell Abwerfen - Entkommen um jeden Preis
  • Urinstrahl - Pipiduschen
  • Zähneklappern
  • Beissen
  • Das Ziel

Bis dato haben wir uns das Abwehr- und Verteidigungsverhalten im Rahmen der Interaktion unter Chinchillas und gegenüber ihren natürlichen Fressfeinden angesehen. Hier in im Kapitel CHINCHILLA UND MENSCH sehen wir uns das Abwehr- und Verteidigungsverhalten unter anderen Gesichtspunkten an, z.B.:

  1. Wann fühlt sich ein Chinchilla vom Menschen / Halter genötigt, um ein Abwehrverhalten zu zeigen
  2. Ist das konkrete menschliche Gegenüber der Auslöser, oder sind es vom Objekt unabhängig Faktoren
  3. Wie kann man in einer Liebhaber Haltung Auslöser und Situationen reduzieren, beseitigen, und neu belegen

Chinchillas sind Fluchttiere und haben einen grossen Nachteil gegenüber dem Menschen : sie sind dem Menschen an Kraft körperlich unterlegen. Ein Mensch kann das Chinchilla am Schwanz, Ohr oder Nacken fixieren und das Chinchilla hat keine Möglichkeit diesem Griff zu entkommen. Das ist nicht selbstverständlich. Als Gegenbeispiel: Pferde. Ebenfalls Fluchttiere, aber dem Menschen so weit an körperlicher Kraft überlegen, daß sie ihn lebensgefährlich verletzen können. Ein Chinchilla kann das nicht. Insofern liegt es in der Selbstbeschränkung des Menschen, diesen Umstand nicht zu seinen Gunsten einseitig auszunutzen. Das Chinchilla gibt jedenfalls eindeutige Hinweise und Signale, wenn es sich in die Verteidigung gedrängt fühlt. Darauf sollte jeder Chinliebhaber achten, und lernen zu reagieren.

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